Der Basler Psi-Verein

Veröffentlicht am 2026-07-22 · Lesezeit ca. 9 Minuten

Wer im deutschsprachigen Raum ein weltbekanntes Medium live erleben will, kommt an einer Adresse kaum vorbei: Neuweilerstrasse 15, Basel. Der Basler Psi-Verein veranstaltet rund 300 Seminare, Vorträge und Demonstrationen im Jahr und zählt etwa zweitausend Mitglieder aus der Schweiz und den Nachbarländern. Seine Geschichte reicht zurück bis 1967 – zu einem Verein, der einmal den größten öffentlichen Kongress für die Grenzgebiete der Wissenschaft auf die Beine stellte.

1967: Eine Arbeitsgruppe für das Unerklärte

Am Anfang steht Matthias Güldenstein, angeregt durch den Freiburger Parapsychologen Hans Bender, der die Erforschung des Außergewöhnlichen an die Universität geholt hatte. 1967 gründete Güldenstein die „Parapsychologische Arbeitsgruppe Basel" (PAB) – und schon der erste Vorstand zeigt, dass hier nicht Schwärmerei, sondern Neugier den Ton angab: Neben Güldenstein saßen der Basler Chemieprofessor Max Thürkauf und Dr. Konrad Wolff am Tisch. Ab 1973 gab die Arbeitsgruppe gemeinsam mit der Schweizerischen Parapsychologischen Gesellschaft die Fachzeitschrift „Parapsychika" heraus, deren Redaktion Güldenstein übernahm.

Die Basler Psi-Tage: Parapsychologie auf dem Messeplatz

1983 wagten Güldenstein und der St. Galler Professor Alex Schneider den großen Schritt: die „Basler Psi-Tage", ein internationaler Kongress zur interdisziplinären Diskussion von Grenzfragen der Wissenschaft, durchgeführt in Zusammenarbeit mit der Messe Basel. Forscher trafen dort auf Praktiker – Medien, Sensitive, Geistheiler, Schamanen – und beide auf ein breites Publikum. In den Anfangsjahren standen klassische Psi-Themen wie Psychokinese, Telepathie und Hellsehen im Zentrum. Die Psi-Tage wuchsen zum traditionsreichsten und größten öffentlichen Kongress ihrer Art heran; als Stargast trat unter anderem Uri Geller auf, dessen Löffelbiege-Karriere wir in einem eigenen Beitrag nachzeichnen.

Zu den Besuchern des Jahres 1986 gehörte ein junger Basler Antiquar: Lucius Werthmüller. Die Demonstration eines brasilianischen Trance-Chirurgen ließ ihn nicht mehr los, er suchte das Gespräch mit Güldenstein – und aus dem Besucher wurde 1991 der Präsident des Vereins, der 1990 seinen heutigen Namen „Basler Psi-Verein" angenommen hatte. Ab 1994 gestaltete Werthmüller das Programm der Psi-Tage, von 1999 bis 2007 leitete er sie; im Jahr 2000 erhielt er den Preis der Schweizer Stiftung für Parapsychologie.

Dass die Ära der Psi-Tage endete, lag an nüchternen Zahlen und an einem veränderten Klima. Die Fixkosten überstiegen eine halbe Million Franken im Jahr, Sponsoren blieben aus, und die Messe Schweiz wollte die Veranstaltung ab 2002 nicht mehr tragen; sechs Ausgaben stemmte der Verein danach auf eigene Rechnung in Basel und Rheinfelden. 2006 fanden die Psi-Tage zum 24. und letzten Mal statt. Werthmüller nannte als einen Grund das gesunkene öffentliche Interesse an seriöser Parapsychologie – das Bild des Feldes prägten inzwischen Unterhaltungsshows, nicht Forschung. Es ist dieselbe Verschiebung, die auch andernorts zu beobachten war: Die Forschung verschwand nicht, sie verlor ihre großen Bühnen.

Zwei Häuser: der Verein in Basel, das Zentrum in Riehen

Neben dem Verein entstand 1984 ein zweites Standbein: Matthias und Eva Güldenstein gründeten das Psi Zentrum Basel, das sich vor allem der Medialität widmete – Ausbildung inbegriffen. 1998 trennten sich die Wege organisatorisch: Das Zentrum zog nach Riehen, der Verein blieb in Basel und bezog 2004 sein heutiges Domizil an der Neuweilerstrasse. Das Zentrum firmiert heute als Amanar Zentrum Riehen und bildet weiterhin Medien aus. Diese Ausbildungslinie reicht bis in unser Verzeichnis: Das Schweizer Medium Simone Rüegsegger, heute Tutorin der International Spiritualist Federation, absolvierte ihre mehrjährige Medium-Ausbildung unter anderem am Psi Zentrum Basel und demonstriert bis heute regelmäßig in Riehen.

Die Bühne der Medien

Ein Blick in die Referentenliste des Vereins liest sich wie ein Who's who der internationalen Medialität und Bewusstseinsforschung. Gordon Smith, der Glasgower Barbier, dem wir ein eigenes Porträt gewidmet haben, demonstriert hier ebenso wie der Schweizer Pascal Voggenhuber oder das deutsche physikalische Medium Kai Mügge. Der Neurochirurg Eben Alexander sprach hier über seine Nahtoderfahrung, der Biologe Rupert Sheldrake über morphische Resonanz, und der Ingenieurwissenschaftler Eckhard Kruse, der Séancen mit 360-Grad-Kameras und Mikrofon-Arrays vermisst, wirkt als wissenschaftlicher Berater des Vereins. Dazu kommen internationale Namen wie James Van Praagh, Lisa Williams und Anita Moorjani sowie Jana Haas – kaum ein bekanntes Medium der Gegenwart, das nicht irgendwann in Basel auf der Bühne stand.

Bemerkenswert ist die Spannweite: Der gemeinnützige Verein (seit 1997) holt Bestsellerautoren und Bühnenmedien ebenso wie stille Forscher, und er hält die Preise durch Mitgliedschaften bewusst zugänglich. Was das Arthur Findlay College für die englischsprachige Welt ist, ist Basel für den deutschsprachigen Raum längst geworden: der Ort, an dem man Medialität in allen Spielarten sehen, hören und lernen kann – ein Kapitel, das wir im Überblick zur Mediumschaft in der Schweiz einordnen.

Nach Lucius

Lucius Werthmüller starb unerwartet am 9. April 2021, mit 62 Jahren, nach dreißig Jahren als Präsident. Er hinterließ nicht nur einen Verein, sondern eine Familie, die ihn trägt: Seine Lebenspartnerin Sabin Sütterlin und die Söhne Robin und Pablo führen die Arbeit heute im Team und Vorstand weiter, Matthias Güldenstein begleitet den Verein als Ehrenpräsident. Das Programm läuft in ungebrochener Dichte weiter – und mit ihm eine Basler Tradition, die seit bald sechzig Jahren dieselbe Frage stellt: Was, wenn an den Grenzgebieten mehr zu finden ist, als die Lehrbücher vermuten lassen?

Quellen: Die Geschichtsseite des Basler Psi-Vereins und sein Nachruf auf Lucius Werthmüller; die Porträts von Basler Psi-Verein und Psi Zentrum Basel bei INFOREL; die Referentenübersicht auf bpv.ch sowie die Berichterstattung zum Ende der Psi-Tage (hpd, 2008).

Mehr dazu in unserer kuratierten Wissenssammlung – dort finden sich weitere Beiträge zu Mediumschaft, Parapsychologie und den Institutionen des Feldes.