Im englischsprachigen Raum gibt es eine Handvoll Medien, an deren Genauigkeit auch ausgesprochene Skeptiker ihre Mühe haben. Gordon Smith ist eines davon. Der Schotte aus Glasgow, von Beruf ursprünglich Friseur, wird seit über 25 Jahren immer wieder auch von akademischen Forschern unter kontrollierten Bedingungen getestet. Seine bekannteste wissenschaftliche Studie führten Prof. Archie Roy (Astronom an der University of Glasgow, †2012) und Tricia Robertson über mehrere Jahre durch und veröffentlichten sie 2001 und 2004 im Journal of the Society for Psychical Research. Smith gilt seither als eines der methodisch belastbarsten medialen Phänomene der jüngeren Zeit.
Vom Friseur zum „Psychic Barber"
Gordon Smith wurde 1962 in Glasgow geboren – als jüngstes von sieben Kindern in einer Arbeiterfamilie im Stadtteil Cessnock. Er erlernte den Friseurberuf und betrieb über Jahre einen kleinen Salon in der Stadt. Erste mediale Erfahrungen hatte er nach eigenen Angaben schon als Kind, sprach aber lange nicht öffentlich darüber. Erst Mitte der 1990er Jahre begann er, in spiritualistischen Kirchen und kleinen Zirkeln Demonstrationen zu geben. Sein Ruf als außergewöhnlich präzises Medium verbreitete sich schnell – und mit ihm der liebevolle Spitzname „the Psychic Barber", unter dem er bis heute bekannt ist.
Was Smith in dieser Zeit in der spiritualistischen Szene auszeichnete, war seine ungewöhnliche Detailtreue: Er nannte häufig Vor- und Nachnamen, Adressen, spezifische Lebensumstände, sogar Spitznamen – bei Sittern, die er nie zuvor gesehen hatte. Genau diese Spezifität wurde später für die wissenschaftliche Untersuchung interessant.
Ausbildung und Lehre am Arthur Findlay College
Wie viele britische Medien durchlief Smith eine formale Ausbildung am Arthur Findlay College in Stansted Hall (Essex) – dem internationalen Trainingszentrum der Spiritualists' National Union (SNU) und so etwas wie der „Universität der Mediumschaft" im englischsprachigen Raum. Aus dem Schüler wurde später der Tutor: Smith unterrichtete am Arthur Findlay College jahrelang Demonstrations-Mediumschaft und Entwicklung an Anfänger und Fortgeschrittene und prägte damit eine Generation jüngerer Medien.
Die Glasgow-Studien (Roy & Robertson, 1996–2004)
Mitte der 1990er Jahre suchten Archie Roy, Astrophysiker an der University of Glasgow, und seine Kollegin Tricia Robertson nach einer Methode, mediale Botschaften statistisch zu prüfen. Sie wollten den Effekt „allgemeiner" Aussagen herausrechnen – also Aussagen, die auf viele Menschen zutreffen und damit nicht beweiskräftig sind. Ihre Methode war einfach und elegant:
- Ein Medium gibt eine Sitzung für einen Sitter A, in dessen Anwesenheit zusätzlich mehrere unbeteiligte Nicht-Adressaten sitzen.
- Alle Anwesenden – Adressat und Nicht-Adressaten – bekommen anschließend eine Liste der Aussagen und müssen unabhängig markieren, welche Aussagen auf sie selbst zutreffen.
- Wenn das Medium nur „allgemein" treffende Sätze liefert, müssten Adressat und Nicht-Adressaten ähnlich viele Treffer markieren. Wenn das Medium aber tatsächlich für den intendierten Adressaten arbeitet, müsste der echte Adressat signifikant mehr Treffer markieren als die Nicht-Adressaten.
Das Verfahren erlaubt eine harte statistische Prüfung. Zufallseffekte und Allgemeinaussagen werden quantitativ herausgefiltert. Smith war einer von mehreren getesteten Medien – aber bei ihm waren die Ergebnisse besonders auffällig. Roy und Robertson veröffentlichten 2001 und 2004 zwei Aufsätze unter dem Titel „Some Anomalies of Information Ownership" im Journal of the Society for Psychical Research.
Die Befunde
Bei Smith erkannte der intendierte Adressat über alle untersuchten Sitzungen hinweg signifikant mehr Aussagen als die Kontrollpersonen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis durch Zufall zustande kommt, lag in den gemessenen Sitzungen weit unter 1 zu einer Million. Mit anderen Worten: Die Spezifität von Smiths Aussagen ließ sich statistisch nicht durch Allgemeinheiten wegerklären.
„Wir haben sehr unterschiedliche Medien getestet. Bei einigen war kein signifikanter Effekt zu sehen, bei anderen schon, und Gordon Smith war besonders auffällig. Die Wahrscheinlichkeit eines Zufallstreffers war in seinem Fall verschwindend gering."
— Tricia Robertson (sinngemäß, aus späteren Interviews)
Roy war als Astrophysiker in seiner Zunft anerkannt – langjähriger Präsident der Royal Astronomical Society in Schottland, Autor mehrerer Standardwerke zur Himmelsmechanik. Seine wissenschaftliche Reputation gibt der Studie zusätzliches Gewicht; es war nicht jemand mit „spiritueller Agenda", der hier methodisch arbeitete.
Smiths Methode
Smith arbeitet hauptsächlich klairvoyant und klairaudient – er sieht Bilder, hört Namen, empfängt sehr konkrete Details. Anders als Trance-Medien (siehe Trance-Medium-Blog) bleibt er während der Sitzung voll bei Bewusstsein. Charakteristisch für sein Stil:
- Namen, Namen, Namen. Smith ist berüchtigt dafür, mehrere Vornamen, Nachnamen und sogar Spitznamen pro Sitzung zu liefern. In der englischsprachigen Mediumsszene gilt das als ungewöhnlich, weil Namen sehr leicht falsifizierbar sind.
- Adressen, Straßennamen, Hausnummern. In mehreren dokumentierten Sitzungen nannte er Adressen, an denen Verstorbene gelebt hatten – auch dann, wenn der Sitter selbst die Adresse nicht im Kopf hatte und sie erst später verifizieren musste.
- Spezifische Lebensumstände. Berufe, Hobbys, Familienkonstellationen, Krankheitsdetails – nicht das vage „Dein Vater liebt dich", sondern „Dein Vater, der in der Royal Mail gearbeitet hat und an der rechten Lunge operiert wurde".
- Persönlichkeits-Charakterisierungen. Er beschreibt häufig den Charakter des Verstorbenen so, dass Hinterbliebene ihn sofort wiedererkennen – eigenheitliche Sprachfiguren, Humor-Stil, typische Redewendungen.
Bücher und Wirkung
Smith hat seine Erfahrungen in einer Reihe gut verkaufter Bücher festgehalten, die mittlerweile in viele Sprachen übersetzt sind:
- Spirit Messenger (2003) – seine erste Autobiografie, der internationale Durchbruch
- The Unbelievable Truth (2005) – Antworten auf häufige Skeptiker-Einwände
- Stories from the Other Side (2007) – Sammlung dokumentierter Sitzungen
- Through My Eyes (2014)
- The Mediums Mystery School (2018ff.) – Lehr- und Trainingsmaterial
Im Vereinigten Königreich war Smith mehrfach in BBC-Produktionen, ITV-Dokumentationen und Diskussionsrunden zu Gast. Seine öffentliche Wahrnehmung profitierte stark von seinem unaufgeregten, fast nüchternen Habitus: keine theatralischen Effekte, keine New-Age- Rhetorik, sondern klare Aussagen mit klarer Bitte um Verifikation.
Warum Smith für die Mediumschafts-Forschung wichtig ist
Drei Gründe machen Smith zu einem Schlüssel-Beispiel:
- Wissenschaftliche Begleitung über mehr als ein Jahrzehnt. Roy und Robertson testeten ihn nicht in einer Einzelsitzung, sondern in Serien über Jahre hinweg. Die Befunde sind reproduziert und in einem peer-reviewed Journal (Journal of the SPR) publiziert.
- Hoher Spezifitätsgrad. Smith liefert die Art von hochspezifischer Information, die auch Lazars EREAMS-Studie als Goldstandard definiert: Namen, Adressen, Details, die weder im Internet recherchierbar noch durch Beobachtung des Sitters gewinnbar sind.
- Verbindung zur akademischen Welt. Über Roy ist Smith im Umfeld der Society for Psychical Research (SPR, gegründet 1882) angesiedelt – einer der ältesten wissenschaftlichen Gesellschaften zur Erforschung paranormaler Phänomene, mit Mitgliedern wie William James, Henri Bergson, Carl Gustav Jung und mehreren Cambridge-Professoren in ihrer Geschichte.
Smith im Vergleich
In unserer Übersicht der mediumshafts-wissenschaftlichen Studien steht Smith neben den anderen Hauptfiguren des Felds:
- Lazar/EREAMS (Deutschland, 2021): 243 Teilnehmer, große Reichweite, Spezifitäts-Methode statt Verblindung – siehe EREAMS-Blog.
- Beischel/Windbridge (USA, ab 2007): kleine Stichproben, aber höchster Verblindungsgrad (Quintuple-Blind).
- Schwartz/University of Arizona (USA, ab 2001): einzelne berühmte Sitter, single-blind.
- Roy/Robertson/Smith (UK, 1996–2004): die methodisch eleganteste Lösung für das Allgemeinheits-Problem, in einer der ältesten Fachgesellschaften (SPR) publiziert.
Smiths Fall ergänzt damit eine wichtige Lücke: Er ist nicht „eine Studie", sondern ein einzelnes, jahrelang begleitetes Medium, dessen Genauigkeit unter kontrollierten Bedingungen wiederholt nachgewiesen wurde.
Kritische Einordnung
Wie bei jeder mediumistischen Forschung gibt es auch bei Smith Skeptiker-Stimmen. Die häufigsten Argumente:
- „Cold reading bei Treffer-Bestätigung." Das Roy/Robertson-Verfahren schließt das jedoch genau aus: Aussagen werden vor der Bewertung niedergeschrieben und unabhängig von Adressat und Kontroll-Sitter beurteilt.
- „Statistische Auswahl-Effekte." Roy und Robertson dokumentieren in ihren Aufsätzen die Selektion und die Sitzungs-Reihenfolge transparent; das Argument bezieht sich meist nicht auf ihre konkrete Studie.
- „Single Investigator Bias." Roy & Robertson sind ein Forscher- Paar, nicht eine größere Forschungsgruppe. Eine Wiederholung durch ein anderes Team wäre methodisch wertvoll – ist bislang in dieser Form nicht erfolgt.
Smith selbst betont in seinen Büchern wiederholt, dass er Beweis-Ansprüche nicht überstrapazieren möchte: Er ist Mediumsschüler, Praktiker und Lehrer – nicht Forscher. Was die Glasgow-Studien beweisen, sollen die Leser selbst beurteilen.
Einordnung
Dieser Artikel ergänzt die Heaven-Connect-Reihe zur wissenschaftlichen Einordnung der Mediumschafts-Forschung: die EREAMS- Studie von Oliver Lazar und der dazugehörige Hintergrund-Blog, sowie die NTE-Forschungsblöcke zu van Lommel, Greyson, Pam Reynolds, Kuhn, van Laack und Brüntrup, der Bösch/Claes-Fall in Baselland und der physikalisch-philosophische Beitrag zu Materie und Higgsfeld. Wo Lazar die deutschsprachige Studienevidenz vorlegt und Beischel die strengste Verblindung, liefert die Glasgow-Smith-Linie das, was den Naturwissenschaftler-Akzent ausmacht: die statistische Falsifizierbarkeit eines einzelnen Mediums über Jahre hinweg.
Quellen:
• Archie E. Roy & Tricia J. Robertson, Some Anomalies of Information Ownership, Teil 1: Journal of the Society for Psychical Research 65 (2001) 91–106; Teil 2: JSPR 68 (2004) 18–34.
• Gordon Smith, Spirit Messenger, Hay House 2003.
• Gordon Smith, The Unbelievable Truth, Hay House 2005.
• Gordon Smith, Stories from the Other Side, Hay House 2007.
• Tricia Robertson, Things You Can Do When You're Dead, White Crow Books 2013 (umfassende Aufarbeitung der Glasgow-Forschung, allgemein verständlich).
• Society for Psychical Research (SPR), London – spr.ac.uk.
• Arthur Findlay College, Stansted Hall – arthurfindlaycollege.org.
Mehr zum Thema findest Du in unserer kuratierten Wissen-Sammlung. Gordon Smiths Profil als seriöses Medium ist im Heaven-Connect-Verzeichnis als Berater-Profil hinterlegt.
