Kaum jemand hat die Mediumschaft so tief ins amerikanische Fernsehen getragen wie James Van Praagh: Sein Debüt „Talking to Heaven" wurde ein New-York-Times-Bestseller, seine Lebensgeschichte verfilmte CBS mit Ted Danson in der Hauptrolle – und als Executive Producer entwickelte er die Serie mit, die dem Berufsbild des Mediums weltweit ein Gesicht gab: den „Ghost Whisperer". Dabei begann sein Weg ausgerechnet dort, wo man Gespräche mit Verstorbenen am wenigsten vermuten würde: im katholischen Vorseminar.
Der Junge aus Bayside
Van Praagh wuchs als jüngstes von vier Kindern in einer traditionell römisch-katholischen Familie in Bayside im New Yorker Stadtbezirk Queens auf. Mit vierzehn trat er ins Vorseminar ein – der Weg zum Priester schien vorgezeichnet. Dass er ihn verließ, führt er selbst auf ein inneres Erlebnis zurück: Eine Stimme habe ihm zugeflüstert, „Gott ist viel größer als diese vier Wände – du musst gehen und Gott draußen in der Welt finden." Er ging. Statt Theologie kamen Studium und schließlich der Umzug nach Los Angeles, wo er beim Fernsehen Fuß fassen wollte – hinter der Kamera, nicht als das, was er wurde.
Die Prophezeiung des Brian Hurst
Mit 24 nahm Van Praagh in Los Angeles an einer Sitzung des britischstämmigen Mediums Brian Hurst teil. Hurst sagte ihm dort voraus, er werde binnen zwei Jahren selbst mediale Fähigkeiten entwickeln – die geistige Welt werde ihn dabei unterstützen, „das Bewusstsein des Planeten zu verändern". Die Szene ist keine nachträgliche Legende aus dem eigenen Marketing: Hurst selbst hat sie zeitlebens auf seiner eigenen Website erzählt, und Van Praagh bestätigt sie in seinen Büchern. Die Vorhersage traf ein – Van Praagh begann in kleinen Kreisen zu sitzen, entwickelte seine Fähigkeiten und beschreibt sich seither als „Survival Evidence Medium": ein Medium, dessen Arbeit darauf zielt, durch überprüfbare Details Hinweise auf das Weiterleben der Verstorbenen zu geben.
„Talking to Heaven"
1997 erschien sein erstes Buch. „Talking to Heaven" stieg an die Spitze der Bestsellerlisten und machte den Namen Van Praagh über Nacht landesweit bekannt; Auftritte bei Oprah Winfrey, Dr. Phil und in der „Today"-Show folgten. Es blieb nicht das einzige Buch: „Reaching to Heaven", „Healing Grief", „Adventures of the Soul" und weitere Titel wurden in 25 Sprachen übersetzt und erscheinen in über 30 Ländern. Die Watkins-Liste der hundert spirituell einflussreichsten lebenden Menschen führt ihn Jahr für Jahr.
Der Mann hinter dem „Ghost Whisperer"
Parallel zur Bühne baute Van Praagh eine zweite Karriere auf, die ihn von fast allen Kollegen unterscheidet: die des Fernsehproduzenten. Nachdem er in der Show „The Other Side" als ständiger Experte für Fragen nach dem Leben nach dem Tod aufgetreten war, bekam er 2002 seine eigene Talkshow „Beyond With James Van Praagh". Im selben Jahr verfilmte CBS seine Lebensgeschichte als Miniserie „Living with the Dead" mit Ted Danson als Van Praagh – die höchstbewertete CBS-Produktion seit zwei Jahren, wie der Sender damals vermeldete. 2004 folgte „The Dead Will Tell". Und 2005 ging die Serie auf Sendung, an der er als Executive Producer beteiligt war und deren Titel längst sprichwörtlich geworden ist: „Ghost Whisperer" mit Jennifer Love Hewitt, fünf Staffeln lang eine der erfolgreichsten Mystery-Serien ihrer Zeit.
Der Lehrer
Wie Lisa Williams zog auch Van Praagh aus der eigenen Prominenz die Konsequenz, das Wissen weiterzugeben: Seine „James Van Praagh School of Mystical Arts" bietet online Ausbildungs- und Zertifizierungskurse in Mediumschaft, psychischer Wahrnehmung und spirituellem Coaching an; am Omega Institute unterrichtet er seit anderthalb Jahrzehnten, dazu kommen der Podcast „Both Sides Now and Beyond" und weltweite Live-Abende. Auch im deutschsprachigen Raum ist er kein Unbekannter: Beim Basler Psi-Verein steht er auf derselben Referentenliste wie Gordon Smith und Lisa Williams. Sein Weg – vom Seminaristen über die Prophezeiung eines älteren Mediums bis zum Produzenten, der die Mediumschaft ins Abendprogramm brachte – gehört zu den ungewöhnlichsten Biografien, die dieses Feld hervorgebracht hat.
Quellen: Die About-Seite von vanpraagh.com; die Website des Mediums Brian Hurst (zur Vorhersage); der Beitrag „A Ghost Whisperer Expert" von CBS News; die Referentenbiografie des Omega Institute sowie die Referentenliste auf bpv.ch. Angaben zu inneren Erlebnissen und Vorhersagen geben wieder, was die Beteiligten selbst berichten.
Mehr dazu in unserer kuratierten Wissenssammlung – dort finden sich weitere Beiträge zu Mediumschaft, TV-Medien und Ausbildungswegen.
