Mavis Pittilla – die Lehrerin

Veröffentlicht am 2026-04-25 · Lesezeit ca. 10 Minuten

Wenn man heute mit jüngeren britischen Medien spricht, fällt früher oder später ein Name: Mavis Pittilla. Sie war keine TV-Persönlichkeit, schrieb keine Bestseller, füllte keine Hallen mit lautstarken Demonstrationen. Und doch hat sie die englische Mediumshafts-Tradition der letzten 30 Jahre vermutlich stärker geprägt als jede andere Einzelperson – als Lehrerin, Mentorin und Maßstab für eine ethische Praxis. Ihr Tod im Oktober 2023 hinterließ in der englischsprachigen Mediumsszene eine Lücke, die noch nicht gefüllt ist.

Wer war Mavis Pittilla?

Mavis Pittilla wurde 1933 in Mittelengland geboren. Wie bei vielen Medien ihrer Generation begann ihre mediale Wahrnehmung früh – aber sie sprach lange nicht öffentlich darüber. Erst Mitte ihres Lebens, im Umfeld der spiritualistischen Kirche, entwickelte sie sich systematisch zur Mediumin. Was sie auszeichnete, war nicht der Glanz der Demonstration – sondern eine ungewöhnliche Klarheit der Aussagen kombiniert mit einer fast altmodischen Bescheidenheit im Auftritt.

Über sechs Jahrzehnte praktizierte sie als Medium. Sie gab unzählige private Sitzungen, arbeitete in spiritualistischen Kirchen und entwickelte parallel eine zweite Karriere – die als Lehrerin. Es ist diese zweite Karriere, die ihren bleibenden Einfluss ausmacht.

Die Lehrerin am Arthur Findlay College

Pittilla unterrichtete jahrzehntelang am Arthur Findlay College in Stansted Hall (Essex) – dem internationalen Trainingszentrum der Spiritualists' National Union (SNU) und so etwas wie der „Akademie der englischsprachigen Mediumschaft". Daneben arbeitete sie viel in den USA, wo sie bei amerikanischen Medien-Lehrenden wie Janet Nohavec, Lauren Robertson, Suzanne Giesemann und Willa White gefragte Gastdozentin war.

Wer in den letzten 25 Jahren am Arthur Findlay College in einem fortgeschrittenen Mediumshafts-Kurs saß, hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit Pittilla – oder einen ihrer Schüler – vorne stehen. Zu ihren bekanntesten direkten Schülern und Schülerinnen zählen:

  • Gordon Smith (Schottland) – der „Psychic Barber" mit den dokumentierten Glasgow-Studien
  • Tony Stockwell – britischer Medium und heute selbst Tutor am AFC
  • Janet Nohavec – amerikanische Mediumin, Reverend, einflussreiche Lehrerin in den USA
  • Lauren Robertson, Eamonn Downey, Susan Tara, viele weitere

Pittillas Lehrphilosophie

Was Pittilla unterschied von der „TV-Mediumschafts-Welle" der 1990er und 2000er Jahre (Doris Stokes, Derek Acorah, Sally Morgan), war ihr fast asketischer Ernst gegenüber der Aufgabe. Drei Punkte tauchen in Interviews und Workshops immer wieder auf:

1. Mediumschaft ist Berufung, nicht Bühne

Pittilla bestand darauf, dass mediale Arbeit dem Hinterbliebenen dient – nicht dem Auftritt. Sie hatte eine ausgeprägte Skepsis gegenüber Demonstrationen, die auf den Effekt zielen statt auf die Heilung. „Show-Mediumshaft" war für sie ein Widerspruch in sich.

„Wenn Du etwas weißt, dann sag es. Und wenn Du nichts weißt, dann sei still. Beides ist gleich wichtig – und das zweite ist das schwerere."
— Mavis Pittilla (sinngemäß, aus Workshop-Aufnahmen)

2. Die Verbindung mit der geistigen Welt ist eine Beziehung

Pittillas zentrales Lehrkonzept war die Beziehung zwischen Medium und „Spirit Guide" / Geistführer. Sie betonte, dass mediale Genauigkeit nicht aus Technik kommt, sondern aus einer langen, bewusst gepflegten inneren Kommunikation mit der geistigen Welt. Wer diese Beziehung nicht ehrt, kann nach Pittilla nur an der Oberfläche bleiben.

3. Verantwortung gegenüber Hinterbliebenen

Pittilla forderte von ihren Schülerinnen und Schülern explizit ethische Reife: Hinterbliebene sind in ihrer verletzlichsten Phase. Ein Medium, das Eitelkeit über Wahrhaftigkeit stellt, kann großen Schaden anrichten. Sie war eine der ersten Lehrerinnen, die das Thema systematisch in ihre Curricula einbaute.

Die Stimme im Hintergrund

Pittilla mied bewusst die Aufmerksamkeit. Sie hatte keinen TV-Vertrag, keinen internationalen Verlag, keine Werbeagentur. Es gibt nur ein autobiografisches Buch: „More Than This: An Inspirational Memoir of a Modern Day Medium" (2018, mit Jean Else). Auf YouTube finden sich nur eine Handvoll Aufnahmen – darunter die frühe Dokumentation „The Happy Medium" (2009) und einige Workshop-Mitschnitte aus den 2010er Jahren mit der amerikanischen Mediumin und Lehrerin Willa White.

Diese Zurückhaltung war strategisch: Pittilla wollte nicht als „TV-Medium" missverstanden werden. Sie verstand sich als Handwerkerin und als Lehrerin – nicht als Marke.

Pittilla und die wissenschaftliche Mediumshafts-Forschung

Anders als Gordon Smith wurde Pittilla nie systematisch wissenschaftlich getestet – sie hat das wohl auch nie angestrebt. In ihren Vorträgen sagte sie wiederholt, dass mediale Arbeit nicht im Labor zu Hause ist, sondern im realen Trauer- und Heilungs-Kontext.

Trotzdem ist ihre Bedeutung für die Forschungslandschaft mittelbar: viele der Medien, die heute in Studien (etwa von Lazars EREAMS-Forschung oder bei Beischel/Schwartz) auftauchen, sind methodisch und ethisch von Pittilla geprägt – direkt oder über ihre Schüler. Ihr Einfluss läuft also durch zwei Generationen praktizierender Medien hindurch in die wissenschaftliche Materialisation hinein.

Tod 2023

Mavis Pittilla starb am 9. Oktober 2023 im Alter von 90 Jahren. Die internationale spiritualistische Szene reagierte mit einer Welle von Erinnerungen, Workshop-Erinnerungen, Tribute-Videos. Tony Stockwell, Janet Nohavec, Willa White, Lauren Robertson und viele weitere veröffentlichten persönliche Würdigungen – alle mit demselben Tenor: Sie war die Lehrerin, die uns alle geprägt hat.

Ihr Vermächtnis ist nicht ein Buch oder eine TV-Show. Ihr Vermächtnis sind die zwei Generationen praktizierender Medien, die heute mit ihren ethischen Maßstäben arbeiten. Wer sich – wie Heaven Connect – um seriöse Mediumshaft kümmert, kommt an ihrem Einfluss nicht vorbei.

Einordnung

Dieser Artikel ergänzt die Heaven-Connect-Reihe zur Mediumshafts-Forschung und -Praxis: den Gordon-Smith-Blog (mit den Glasgow-Studien), die EREAMS-Studienergebnisse von Oliver Lazar, den begleitenden Lazar-Hintergrund- Blog und die NTE-Forschungsblöcke zu van Lommel, Greyson, Pam Reynolds, Brüntrup, Kuhn, van Laack und Kübler-Ross. Auch praktische Themen wie die Frage nach Seriosität oder der Weg zur Hellsichtigkeit haben über die Pittilla-Tradition ihre Standards bekommen.

Quellen:
• Mavis Pittilla & Jean Else, More Than This: An Inspirational Memoir of a Modern Day Medium, eigenverlegt 2018.
• PSVC2 (YouTube), Dokumentation „Mavis Pittilla – The Happy Medium", 2009.
• Willa White (YouTube), Interview „Mediumship: A Pearl of Great Price", Dezember 2020.
• Mehrere Tribute-Veröffentlichungen ihrer Schüler nach ihrem Tod im Oktober 2023 (Tony Stockwell, Janet Nohavec, Lauren Robertson).
• Arthur Findlay College, Stansted Hall – arthurfindlaycollege.org.

Mehr zum Thema findest Du in unserer kuratierten Wissen-Sammlung – dort sind unter anderem die Pittilla-Dokumentation, ihre Spiritualist-Church-Readings und das Willa-White- Interview verlinkt.