Mediale Botschaften wissenschaftlich zu untersuchen klingt nach einem Widerspruch. Genau das hat Prof. Dr. Oliver Lazar, Wirtschaftsinformatiker mit medizinischer Vorbildung, mit der EREAMS-Studie systematisch versucht. Das Akronym steht für Empirical Research of the Effectiveness and Authenticity of Mediumistic Messages from Spirit. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse 2021 im Buch „Jenseits von Materie" (Giga Verlag). Während der begleitende Blog die Person und die Entstehungsgeschichte beleuchtet, geht dieser Artikel fokussiert auf Studiendesign, methodische Entscheidungen und Ergebnisse.
Der Forschungskontext
Mediale Forschung hat Tradition. Bereits William James (Harvard) und Frederic Myers (Cambridge) untersuchten Ende des 19. Jahrhunderts trance-mediumistische Phänomene mit systematischen Methoden. In den letzten 25 Jahren wurden vor allem zwei Forschungslinien maßgeblich:
- Gary Schwartz (University of Arizona): Reihe von Studien mit blind/double-blind-Designs ab 1999.
- Julie Beischel (Windbridge Research Center): Quintuple-Blind-Studien mit standardisierten Auswertungsverfahren ab 2007.
Beide arbeiten mit Verblindung (Medium und Sitter sehen sich nicht, kennen sich nicht). Das ist methodisch sauber, hat aber einen Preis: Mediumistische Arbeit lebt erfahrungsgemäß auch von der persönlichen Verbundenheit. Lazar setzt mit EREAMS einen gegenüberstellenden Akzent – er sucht Wissenschaftlichkeit nicht über Verblindung, sondern über die Spezifität der prüfbaren Aussagen.
Studienteam und Aufbau
EREAMS ist ein vierköpfiges Projekt:
- Prof. Dr. Oliver Lazar – Methodik, Design, Auswertung. Naturwissenschaftler und Hochschulprofessor (FOM, Düsseldorf).
- Bettina-Suvi Rode (Essen) – Co-Initiatorin, Medium.
- Tanja Schlömer (Bottrop) – zweites Medium.
- Kathrin Stefan (Tübingen) – Klinische Psychotherapeutin. Bringt klinische Trauer-Expertise und psychologische Bewertungskompetenz ein – wichtig für den zweiten Hauptaspekt der Studie (Tröstlichkeit).
Bemerkenswert: Die mediale Kompetenz und die wissenschaftliche Methodik werden bei EREAMS auf Augenhöhe kombiniert. Beide Medien waren Co-Autorinnen, nicht „Studienobjekte". Das hat Konsequenzen für die methodische Bewertung – mehr dazu unten.
Studiendesign
Stichprobe
243 Teilnehmer in der ersten Erhebungswelle. Sie stammen aus Deutschland, den USA, Frankreich, Spanien, Luxemburg und Dänemark. Eingeschlossen wurden alle Personen, die regulär eine Sitzung bei Bettina-Suvi Rode oder Tanja Schlömer gebucht hatten – nicht extra für die Studie geworbene Probanden. Damit spiegeln die Daten die tatsächliche Praxis und nicht eine besonders selektierte Forschergruppe.
Bewusst nicht-verblindet
Wo Schwartz und Beischel das Medium vom Sitter abschirmen, lässt EREAMS die persönliche Begegnung zu – aus zwei Gründen. Erstens: nach Lazars Beobachtung verändert die emotionale Verbundenheit die Qualität der Sitzung; eine erzwungene Distanz ist nicht das, was in der Praxis stattfindet. Zweitens: Die methodische Entkräftung von Cold Reading (psychologische Tricks anhand von Mimik, Kleidung, Reaktion) erfolgt bei EREAMS nicht über Verblindung, sondern über das, was die Botschaft inhaltlich enthält.
Drei- bis vierwöchige Wartephase
Eine zentrale methodische Entscheidung: Der Fragebogen wurde nicht direkt nach der Sitzung ausgegeben, sondern 3–4 Wochen später. Begründung:
- Filtere den Euphorie-Effekt heraus. Direkt nach dem Setting sind viele Hinterbliebene emotional aufgewühlt – das verzerrt jede Bewertung in Richtung „alles wunderbar".
- Lasse Zeit zur Verifikation. Botschaften, die der Sitter nicht direkt einordnen kann, brauchen oft eine Recherche bei Verwandten, in alten Dokumenten oder beispielsweise bei der Polizei. Diese Verifikationsschritte gehen in Echtzeit nicht.
Hochspezifische Beweise als Goldstandard
Das methodische Herzstück der Studie. Eine Botschaft gilt nur dann als hochspezifischer Beweis, wenn sie alle drei Kriterien erfüllt:
- Der Hinterbliebene wusste die Information zum Zeitpunkt der Sitzung nicht. – schließt einfache Telepathie zwischen Medium und Sitter aus.
- Die Information ist nicht recherchierbar. – schließt Hot Reading (Vorabrecherche durch das Medium über soziale Medien, öffentliche Datenbanken etc.) aus.
- Die Information lässt sich im Nachhinein verifizieren. – durch Verwandte, Akten, Polizei, Krankenhaus.
Beispiele für Botschafts-Klassen, die das erfüllen können:
- Familiengeheimnisse (z. B. eine Fehlgeburt der verstorbenen Mutter, die nie öffentlich wurde)
- Polizeilich dokumentierte Fundorte (z. B. eine Jacke auf einem Brückengeländer)
- Hochspezifische Haustier-Kombinationen (z. B. „ein Hase und ein einzelner Fisch")
- Gegenstände, die in den Sarg gelegt wurden
- Inhalt eines Briefes im Sarg
- Letzte Worte am Sterbebett, wortwörtlich
- Dialekt oder Sprachfehler des Verstorbenen, vom Medium imitiert
Die zwei Hauptforschungsfragen
Lazar formuliert zwei messbare Outcomes:
- Authentizität: Wie viele Sitzungen liefern mindestens einen hochspezifischen Beweis im obigen Sinn?
- Tröstlichkeit: Wie wirkt die Sitzung nachhaltig auf den Hinterbliebenen? Subjektive Skalenbewertung 3–4 Wochen nach dem Termin.
Beide Outcomes werden über strukturierte Fragebögen erhoben.
Die Ergebnisse
Authentizität: über 90 %
Mehr als 90 % der Teilnehmer berichten mindestens einen hochspezifischen Beweis im definierten Sinn. Bei einigen war der Beweis direkt im Setting verifizierbar (z. B. ein bekanntes Familiendetail), bei vielen erst nach Recherche im Anschluss. Genau deshalb war die Wartephase wichtig: Manche Teilnehmer mussten erst bei Verwandten oder bei Behörden nachfragen, um eine Aussage einzuordnen. 82 Personen der ersten Welle berichteten Botschaften, die nicht direkt verifizierbar waren und erst durch externe Recherche bestätigt werden konnten – ein in dieser Form bislang in keiner anderen Studie dokumentierter Befund.
Tröstlichkeit: 96 % positiv
Die psychologische Wirkung wurde mit einer fünfstufigen Likert-Skala erhoben:
- 82 % „sehr tröstlich"
- 14 % „ein wenig tröstlich"
- 4 % „neutral / nicht tröstlich"
Die Kombination ergibt 96 % positive Wirkung. Das ist – verglichen mit den Ergebnissen klassischer Trauerbegleitung – eine bemerkenswert hohe Quote. Klassische Trauerbegleitung berichtet typischerweise 60–75 % subjektiv positive Wirkung; pharmakologische Trauerunterstützung (SSRI) etwa 40–55 % bei moderater Trauer.
Lazar adressiert in seinem Buch direkt den naheliegenden Skeptiker-Einwand: trauernde Eltern hätten ein motiviertes Interesse, „tröstlich" anzukreuzen. Die psychologische Mitautorin Kathrin Stefan widerspricht ausdrücklich:
„Es gibt niemanden, der kritischer ist als verwaiste Eltern. Die lassen sich nicht überreden. Die wollen wirklich wissen, ob ihr Kind noch da ist – und sagen nur dann ‚tröstlich', wenn sie es ihnen wirklich glauben können."
— Kathrin Stefan (sinngemäß, EREAMS-Buch 2021)
Methodische Bewertung
Stärken
- Großer realer Datensatz. 243 Teilnehmer aus sechs Ländern, alle aus der echten medialen Praxis – nicht aus einem künstlichen Forschungssetting.
- Methodische Innovation: Spezifität statt Verblindung. Wenn die Botschaft objektiv prüfbar ist und eine Information enthält, die weder Medium noch Sitter kannten, ist Cold Reading als Erklärung methodisch ausgeschlossen – auch ohne Verblindung.
- Wartephase als sauberer Filter. Die 3–4-wöchige Pause räumt mit dem Euphorie-Effekt auf, der frühere Studien beeinträchtigt hat.
- Interdisziplinäres Team. Wirtschaftsinformatik, mediale Praxis und klinische Psychotherapie zusammen – methodisch breiter aufgestellt als die meisten Vorgänger.
Grenzen
- Keine Verblindung. Skeptiker werden weiterhin argumentieren können, dass die Detailtreue durch unbewusste Cue-Erkennung des Mediums zustande gekommen sein könnte. Lazar setzt dem die Spezifitäts-Definition entgegen – aber die ist im Einzelfall zu prüfen, was die Studie für externe Reviewer aufwendig macht.
- Selbstauskunft der Teilnehmer. Die Verifikation der Botschaften liegt beim Hinterbliebenen – nicht bei einer unabhängigen externen Stelle.
- Keine Kontrollgruppe. Vergleich zu „Sitzungen mit nicht-medialen Personen, die identisch ablaufen" gibt es bei EREAMS nicht. Würde die Studie methodisch noch stärker machen.
- Keine Peer-Reviewed-Publikation. Buchveröffentlichung im Giga Verlag statt Fachjournal. Das ist im Feld der Mediumschafts-Forschung üblich (auch Beischel und Schwartz publizieren oft in Open-Access-Journalen mit weniger Reach), mindert aber die wissenschaftliche Reichweite.
Vergleich zu anderen Studien
| Studie | N | Verblindung | Hauptbefund |
|---|---|---|---|
| Schwartz (2001+) | 10–25 | single-blind | ~80 % Trefferquote |
| Beischel (2007+) | ~40 | quintuple-blind | stat. signifikant über Zufall |
| Tressoldi (Universität Padua) | ~30 | double-blind | stat. signifikant über Zufall |
| Lazar EREAMS (2021) | 243 | nicht verblindet | >90 % Authentizität, 96 % Tröstlichkeit |
EREAMS hat die mit Abstand größte Stichprobe der ernstzunehmenden Mediumschafts-Studien – aber das schwächste Verblindungs-Design. Sie ergänzt die internationale Forschung methodisch und in der Breite, ersetzt sie aber nicht.
Wie geht es weiter?
Lazar hat 2025 die zweite Erhebungswelle gestartet. EREAMS soll eine Langzeitstudie werden – die Daten der ersten Welle werden über die Jahre durch frische Daten erweitert und reproduziert (oder revidiert). Damit wird sich auch zeigen, ob die hohen Authentizitäts- und Tröstlichkeitswerte stabil bleiben.
Für die Heaven-Connect-Plattform interessant: Die Studie hat einen sehr direkten Praxis-Bezug. Die Empfehlung am Ende ist nicht „glauben oder nicht glauben", sondern eine konkrete: Trauerbegleitung – Schulmedizin – seriöser medialer Kontakt als komplementäre Angebote zu denken, nicht als Alternativen.
Einordnung
Dieser Artikel ist die methodisch fokussierte Ergänzung zum Personen- und Geschichts-Blog zu Oliver Lazar, in dem auch der persönliche Hintergrund (Unfall, zwei unabhängige Medien, der Weg zum Forscher) ausführlich beschrieben ist. Im wissenschaftlichen Kontext steht EREAMS neben den Arbeiten zu Nahtoderfahrungen (van Lommel, Greyson, Pam Reynolds, Kuhn, van Laack), zur philosophischen Strukturierung (Brüntrup), zur klinischen Integration (Bösch/Claes) und zur physikalischen Hintergrund-Frage (Materie und Higgsfeld).
Quellen:
• Oliver Lazar, Jenseits von Materie, Giga Verlag 2021.
• Bettina-Suvi Rode & Oliver Lazar, EREAMS-Studienprotokoll (im Buch dokumentiert).
• Julie Beischel et al., Windbridge Research Center, The contribution of anomalous information reception in mediumship readings, Explore 2007ff.
• Gary Schwartz, The Afterlife Experiments, Atria Books 2003.
• Patrizio Tressoldi et al., Universität Padua, Studien zur medialen Genauigkeit (Open Access).
• WissensWerteWelt (YouTube), Interview mit Oliver Lazar zur EREAMS-Studie, youtube.com/watch?v=LwEKH4hAuwc.
Mehr zum Thema findest Du in unserer kuratierten Wissen-Sammlung – dort sind sowohl das Lazar-Interview als auch verwandte Studien (Beischel, Tressoldi) verlinkt.
