Stewart Alexander

Veröffentlicht am 2026-07-21 · Lesezeit ca. 11 Minuten

Ende 2025 hat Stewart Alexander seinen letzten Gästezirkel gehalten. Damit endet eine der am besten dokumentierten Laufbahnen der physikalischen Medialität – und zwar auf eine Weise, die zu ihr passt: leise, aus freien Stücken und mit einer schriftlichen Erklärung. Grund genug, seinen Weg nachzuzeichnen.

Ein Buch verändert alles

Alexander wurde 1946 im Norden Englands geboren und lebt bis heute in Kingston upon Hull. Bis zu seinem 21. Lebensjahr wusste er über Spiritualismus nichts – er stellte sich darunter, wie er selbst schreibt, Menschen vor, die im Halbdunkel um einen Tisch sitzen und fragen: „Is there anybody there?"

Dann kaufte sein Bruder ein Buch: „On the Edge of the Etheric" von Arthur Findlay, erschienen 1931 und bis heute eines der meistverkauften Bücher des Spiritualismus. Findlay schildert darin seine Sitzungen mit dem schottischen physikalischen Medium John Campbell Sloan. Der Bruder gab es weiter, und damit begann, wie Alexander es nennt, die gemeinsame Reise. Etwa zwei Jahre später erhielten die Brüder nach einem Gottesdienst die Einladung in einen bestehenden Heimzirkel.

Sein eigener Zirkel begann 1967. Bis sich physikalische Phänomene zeigten, vergingen fünfzehn Jahre – erst 1982 trat seine physikalische Mediumschaft hervor. Seine Geschwister saßen über all die Jahre mit.

Warum der Heimzirkel für ihn alles ist

Diese fünfzehn Jahre erklären seine wichtigste Überzeugung. Alexander hält den Heimzirkel für die eigentliche Werkstatt der Mediumschaft – nicht den Kurs. Über den Niedergang der physikalischen Medialität im 20. Jahrhundert schreibt er, sie sei verschwunden, weil die Zirkel verschwunden seien. Kundige Lehrer könnten beraten, unterstützen und ermutigen, mehr aber nicht.

Die allmähliche Entwicklung von Mediumschaft, welcher Art auch immer, lässt sich nicht beschleunigen.

Sein erklärtes Ziel mit der eigenen Website ist deshalb nicht Werbung in eigener Sache, sondern die Ermutigung, wieder Heimzirkel zu gründen, aus denen neue Medien hervorgehen können.

Die Noah's Ark Society

1990 erschien in den „Psychic News" eine Anzeige: Eine neue Gesellschaft für physikalische Mediumschaft hatte sich gegründet, die Noah's Ark Society, ins Leben gerufen von Robin Foy – jenem Robin Foy, der wenige Jahre später am Scole-Experiment beteiligt sein sollte. Alexander schrieb ihm noch am selben Tag, erwähnte seine jahrelange Forschung zu den physikalischen Medien der Vergangenheit – seine eigene, noch junge Mediumschaft dagegen mit keinem Wort. Foy machte ihn zum Archivar der Gesellschaft.

Der Erfolg war beispiellos. Binnen Monaten hatte die Gesellschaft über hundert angeschlossene Zirkel und Mitglieder in aller Welt, dazu monatliche Rundbriefe und Wochenendseminare, die innerhalb eines Tages ausverkauft waren. 1993 wurde Alexander ihr Präsident.

In diese Zeit fällt seine bleibendste Arbeit, und sie ist archivarischer Natur. Ihm fiel auf, dass ältere Spiritualisten, die noch bei den großen physikalischen Medien gesessen hatten, ihre Erinnerungen mit ins Grab nahmen. Er rief sie in einem Rundbrief auf, diese Erinnerungen auf Band zu sprechen. Mehrere taten es. Daraus entstand die Zusammenstellung „Physical Séance Room Recollections" – Tonaufnahmen von Menschen, die Sitzungen erlebt hatten, über die man heute nur noch lesen kann.

Der Zerfall

Dann kippte es. Robin Foy, der Gründer, trat mit seiner Frau aus. Ein Jahr später zerstritten sich zwei Paare im Vorstand; Alexanders Vermittlungsversuche scheiterten, ein Paar ging. Er selbst legte schließlich Präsidentschaft und Mitgliedschaft nieder – nach eigener Darstellung eine der schwersten Entscheidungen seines Lebens.

Den Mitgliedern wollte er das erklären. Er verfasste über Wochen einen Artikel für den Rundbrief, in dem er niemanden beschuldigte, sondern nur festhielt, die Gesellschaft sei nicht mehr auf demselben Weg wie er. Der Artikel wurde nie gedruckt. Für ihn war gerade das die Bestätigung, richtig entschieden zu haben. 2004 löste sich die Gesellschaft auf.

Wenn der Bote wichtiger wird als die Botschaft und wir aufhören, der geistigen Welt zuzuhören, dann geht der Weg immer verloren.

Bemerkenswert an seinem Rückblick ist, was darin fehlt: Namen. Er nennt keine Schuldigen. Was als „Atemzug frischer Luft" begonnen habe, sei an der menschlichen Natur gescheitert – mehr sagt er nicht. Die Rundbriefe der Gesellschaft sind übrigens erhalten; ein früheres Mitglied hat sie in einem Online-Archiv zugänglich gemacht.

Was er nie getan hat

Für ein Verzeichnis wie unseres ist Alexander ein Sonderfall, und er sagt selbst warum. Auf seiner Kontaktseite steht unmissverständlich, dass er keine Einzelsitzungen, keine Online-Readings und keine Beratungen gibt. Seine Mediumschaft funktioniere ausschließlich im Séance-Raum.

Konsequent ist auch, dass er 2021 eine Mitwirkung an der Netflix-Serie „Surviving Death" ablehnte – das Publikum war ihm zu groß, und er hat Vorbehalte dagegen, wie Medien über Mediumschaft berichten. In Leslie Keans Buchrecherche taucht er auf, in der Serie nicht.

Was bleibt

Alexander hat seine Erfahrungen in „An Extraordinary Journey: The Memoirs of a Physical Medium" niedergeschrieben. Unabhängig davon hat Katie Halliwell über zwanzig Jahre hinweg dokumentiert, was sie im Alexander-Zirkel erlebte – zuletzt in „Touching the Next Horizon". Dazu kommt seine Sammlung: vergriffene Bücher, Tonaufnahmen, Gegenstände aus dem Séance-Raum, darunter das Zelluloid-Trompete von Maud Gunning und eine Trompete, die Helen Duncan gehört haben soll.

Über den heutigen Zustand des Spiritualismus urteilt er hart. Er sei „ein Schatten seiner selbst" geworden, und er fragt, wo die öffentlichen Fürsprecher von einst geblieben seien – Conan Doyle, Oliver Lodge, William Crookes, Arthur Findlay. Man muss dieses Urteil nicht teilen: Wer sich umsieht, findet die Arbeit durchaus fortgesetzt, etwa bei Kai Mügge oder in der nüchternen Herangehensweise von Eckhard Kruse. Aber es ist das Urteil eines Mannes, der die Vergleichsgrößen aus erster Hand kennt und sechzig Jahre lang selbst in diesem Raum saß.

Seine Gästezirkel enden. Seine Vorträge nicht: Er stellt seinen etwa zweistündigen Vortrag über den eigenen Weg und die Geschichte der physikalischen Mediumschaft weiterhin jeder interessierten Gruppe zur Verfügung. Wer die Gelegenheit hat, sollte sie nutzen. Menschen, die noch bei Daniel Dunglas Home gesessen haben, gibt es nicht mehr – aber es gibt noch Menschen, die mit denen gesprochen haben, die dabei waren.

Quellen: Stewart Alexanders eigene Website stewartalexandermedium.com – insbesondere die Seiten „About Stewart" und „Contact" sowie seine Aufsätze „The Noah's Ark Society" (Juli 2025), „Spiritualism – The Past, The Present and The Future?" (März 2025) und seine Ankündigung zu den Gästezirkeln (August 2025). Dazu seine Memoiren „An Extraordinary Journey" und Katie Halliwells Dokumentation des Zirkels. Das Rundbrief-Archiv der Noah's Ark Society ist unter noahsarksocietyarchive.org einsehbar.

Mehr dazu in unserer kuratierten Wissenssammlung und in unserer Einführung zum britischen Spiritualismus.