Pat Price & Remote Viewing

Veröffentlicht am 2026-06-04 · Lesezeit ca. 11 Minuten

Während Ingo Swann die Methode des Remote Viewing entwickelte, lieferte Pat Price die spektakulärsten operativen Treffer. Der ehemalige Polizei-Commissioner beschrieb am Stanford Research Institute (SRI) allein anhand von Koordinaten geheime Anlagen, die er nie gesehen hatte – darunter eine NSA-Station und ein sowjetisches Rüstungsgelände. Seine Fälle waren so überzeugend, dass sie der CIA den Anstoß zu einem jahrzehntelangen Geheimprogramm gaben. Dieses Porträt stellt Price, seine berühmten Sitzungen und ihre dokumentierte Aktenlage vor – mit ehrlicher Einordnung der Kritik.

Wer war Pat Price?

Patrick Harold Price (1918–1975) war kein Esoteriker, sondern ein Mann der Ordnungsmacht: Er arbeitete als Polizist, Detective und schließlich als Police Commissioner in Burbank, Kalifornien. Nach eigener Darstellung hatte er seine „Sichtungs"-Fähigkeit schon im Polizeidienst genutzt, um Verdächtige aufzuspüren. Anfang der 1970er Jahre stieß er zum Remote-Viewing-Programm der Physiker Harold Puthoff und Russell Targ am SRI – und erwies sich rasch als einer der treffsichersten Versuchspersonen, die das Labor je hatte. Ein späterer CIA-Verantwortlicher beschrieb ihn schlicht als „außergewöhnlich genau".

Sugar Grove (1973): der Treffer, der die CIA überzeugte

Der Durchbruch kam im Sommer 1973 mit einem informellen Test. Price erhielt lediglich die geografischen Koordinaten eines Ortes – nach Darstellung von Puthoff und Targ ohne weiteren Hinweis – und beschrieb daraufhin eine militärisch anmutende Anlage in den Bergen von West Virginia. Tatsächlich befand sich dort Sugar Grove, eine abhörtechnische Station von US-Navy und NSA. Price schilderte nicht nur Gebäude und Gelände, sondern will im Inneren Aktenschränke „gelesen" und Code-Bezeichnungen sowie Namen von Mitarbeitern korrekt genannt haben.

Ob jedes Detail zutraf, ist bis heute umstritten – die Episode ist vor allem über die Berichte der SRI-Forscher überliefert. Unbestritten ist die Wirkung: Dieser Test gilt als einer der Auslöser dafür, dass die CIA 1973/74 den ersten Vertrag mit dem SRI unterzeichnete. Aus diesem Anfang wurde das spätere Programm Stargate.

Semipalatinsk / URDF-3 (1974): die erste operative Aufgabe

Der berühmteste Fall folgte am 9. Juli 1974. Die CIA gab dem SRI ihre erste operative Zielvorgabe: nur die Koordinaten einer geheimen sowjetischen Anlage in Kasachstan, intern URDF-3 (Unidentified Research and Development Facility 3) genannt, beim Atomtestgelände Semipalatinsk. Price arbeitete im Verfahren des Koordinaten-Remote-Viewing.

Er beschrieb sich selbst, wie er am Boden lag und zu einem riesigen, auf Schienen hin- und herfahrenden Kran (Gantry) hinaufsah – seine Skizze ähnelte verblüffend einer CIA-Zeichnung, die auf Satellitenfotos beruhte. Darüber hinaus beschrieb er große, aus einzelnen Segmenten zusammengeschweißte Stahlkugeln in Fertigung. Die freigegebene CIA-Analyse des Experiments hält fest, dass mehrere markante Strukturelemente korrekt getroffen wurden – eingebettet allerdings in „Rauschen", also neben den Treffern auch in Fehlbeschreibungen. Gegenüber Kontrollpersonen, die raten sollten, hob sich Price' Sitzung jedoch deutlich ab.

„Eine Reihe spezifischer großer Strukturelemente wurde korrekt beschrieben." – sinngemäß aus der freigegebenen CIA-Bewertung der URDF-3-Sitzung

Der plötzliche Tod 1975

Im Juli 1975 starb Pat Price während einer laufenden CIA-Operation in Las Vegas an einem mutmaßlichen Herzinfarkt. Bis heute ranken sich Gerüchte darum – von sowjetischer Vergiftung bis zu einer Anwerbung durch fremde Dienste. Die nüchterne Lesart ist weniger dramatisch: Price hatte nach Auskunft Puthoffs eine ernsthafte Herzerkrankung, rauchte und ernährte sich denkbar ungesund. Bewiesen ist nichts; gesichert ist nur, dass das Programm mit ihm seine herausragendste Begabung verlor.

Ehrliche Einordnung: was die Fälle belegen – und was nicht

Price' Sitzungen gehören zu den am häufigsten zitierten der ganzen RV-Geschichte, und sie sind über die freigegebenen Akten teilweise nachprüfbar. Trotzdem ist Vorsicht geboten – im Sinne echter, nicht pseudo-skeptischer Prüfung:

  • Rauschen neben Signal. Auch die wohlwollende CIA-Analyse betont, dass korrekte Beschreibungen mit Fehlern vermischt waren. Aus einer Mischung das Zutreffende herauszulesen, birgt die Gefahr nachträglicher Auswahl.
  • Hinweisreize. Die Psychologen David Marks und Richard Kammann kritisierten an den SRI-Protokollen, dass Transkripte Hinweise (Cues) enthalten konnten, die das spätere Zuordnen erleichterten. Das betrifft eher die frühen Bild-Experimente als URDF-3, mahnt aber zur Sorgfalt.
  • Operativer Einsatz ist kein Beweis. Dass die CIA RV-Ergebnisse nutzte, zeigt, dass sie sie für brauchbar hielt – es beweist nicht, dass der Informationsgewinn auf Psi beruhte und nicht auf Schlussfolgerung, Glück oder verdeckten Quellen.

Die faire Bilanz lautet also nicht „eindeutig bewiesen", sondern: ein auffälliger, aktenkundiger Befund, der mit konventionellen Erklärungen nicht restlos aufgeht – und den die Forschung nie mit modernen Mitteln sauber wiederholt hat. Warum gerade das so blieb, ist Thema des Artikels über verborgenes Wissen und Machtlogik.

Einordnung

Pat Price ergänzt die Heaven-Connect-Reihe zur staatlichen Psi-Forschung: Wo Ingo Swann die Methode formte und Uri Geller die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog, lieferte Price die operativen Treffer, die das CIA-Programm erst in Gang setzten. Den breiteren Rahmen – von den SRI-Experimenten in Nature bis zu den staatlichen Psi-Programmen weltweit und heutigen Praktikern wie Martin Zoller – beleuchten die verlinkten Artikel.

Quellen:
• CIA, An Analysis of a Remote-Viewing Experiment of URDF-3 (freigegeben) (CIA Reading Room).
• Harold E. Puthoff, CIA-Initiated Remote Viewing at Stanford Research Institute, Journal of Scientific Exploration, 1996.
• Russell Targ & Harold Puthoff, Mind-Reach, Delacorte Press, 1977.
• David Marks & Richard Kammann, The Psychology of the Psychic, Prometheus, 1980 (kritische Gegenposition).
• Wikipedia: Pat Price (remote viewer)(Link).

Mehr zum Thema in unserer kuratierten Wissen-Sammlung und der Artikelreihe zur staatlichen Remote-Viewing-Forschung.