Harold Puthoff (geboren 1936) und Russell Targ (geboren 1934) sind die zwei Laserphysiker, die am Stanford Research Institute (SRI) zwischen 1972 und 1985 das Remote-Viewing-Programm aufbauten – jenes Programm, dessen Ergebnisse die CIA bewogen, die spätere Stargate-Codenamen-Kette zu finanzieren. Beide waren vorher in der regulären Laser- und Mikrowellenphysik aktiv, beide veröffentlichten ihre Psi-Befunde in den höchsten Fachjournalen ihres Faches (Nature 1974, Proceedings of the IEEE 1976), und beide sind heute, im Jahr 2026, noch am Leben und öffentlich aktiv. Dieser Beitrag setzt das, was im Stargate-Beitrag, im Uri-Geller-Beitrag und im SRI-Geller-Experimente-Detailbeitrag aus institutioneller, biographischer und experimenteller Sicht beschrieben ist, in den Mittelpunkt der zwei Forscher selbst.
Harold Puthoff
Harold E. Puthoff, geboren 1936 in Chicago, promovierte 1967 in Elektrotechnik an der Stanford University mit einer Arbeit zur Lasertheorie. Sein Lehrbuch Fundamentals of Quantum Electronics (mit Robert H. Pantell, Wiley 1969) wurde mehrere Jahrzehnte als Standardreferenz in der Quantenoptik benutzt. Vor seiner SRI-Zeit arbeitete er kurz für die National Security Agency (NSA), wechselte dann an das SRI in Menlo Park, Kalifornien, und baute dort zunächst die Arbeit in der Laserspektroskopie aus. Patente in der Lasertechnik und in der Hochleistungs-Mikrowellentechnik stammen aus dieser Phase.
Ab 1972 zog er die parapsychologische Forschung am SRI auf, finanziert zunächst von privaten Geldgebern wie der Parapsychology Foundation, dann zunehmend von US-Nachrichtendiensten. Puthoff ist die treibende konzeptuelle Figur: Er entwickelt das Programm zu einem akademisch publizierbaren Forschungsvorhaben und führt die Verhandlungen mit der CIA. Nach seiner SRI-Zeit (bis Mitte der 1980er) gründete er EarthTech International und das Institute for Advanced Studies at Austin, beide in Austin, Texas. Dort arbeitet er bis heute zu Themen am Rand der etablierten Physik: polarisierbares Vakuum, Quantenvakuum-Energie, mögliche Antriebsphysik.
Russell Targ
Russell Targ, geboren 1934 in Chicago, ist von seiner Ausbildung her Physiker und experimenteller Laser-Ingenieur. In den frühen 1960er Jahren arbeitete er bei GTE Sylvania mit an der Entwicklung des ersten abstimmbaren gepulsten Lasers – eine Arbeit, die ihn international als Laser-Ingenieur etabliert hatte, bevor er sich der Psi-Forschung zuwandte. Eine biographische Besonderheit gehört dabei zum Bild: Targ ist seit der Kindheit extrem kurzsichtig und wird gesetzlich als blind eingestuft. In seinen eigenen Texten beschreibt er, dass diese Erfahrung – die Realität immer schon nur teilweise sehen zu können – sein Interesse an Wahrnehmung jenseits der unmittelbaren Sinne wesentlich geprägt habe.
Targ kam 1972 auf Einladung Puthoffs an das SRI und arbeitete bis 1982 dort als Senior Research Engineer. 1982 verließ er das SRI und gründete mit dem Psychologen Keith Harary die Firma Delphi Associates, die kurz darauf für eine der spektakulärsten dokumentierten Anwendungen von Remote Viewing sorgte. Danach kehrte Targ in mehreren Funktionen in die reguläre Industrie zurück (NASA, Lockheed Martin), arbeitete weiter an Lasertechnik und veröffentlichte parallel mehrere populärwissenschaftliche Bücher zur Parapsychologie.
Das SRI-Programm 1972–1985
Was Puthoff und Targ am SRI in Menlo Park aufzogen, war ein methodisch ungewöhnlich präzises Programm. Im Unterschied zu den Heimséancen und den großen TV-Auftritten der Zeit setzten sie auf abgeschirmte Räume, doppelt verblindete Protokolle und systematische Auswertung – mit Versuchspersonen wie Uri Geller (1972/73), dem Maler und Mystiker Ingo Swann (ab 1972), dem ehemaligen Polizisten Pat Price (ab 1973, gestorben 1975), der Fotografin Hella Hammid (ab Mitte der 1970er) und später Joseph McMoneagle.
Das Programm war von Anfang an mit US-Nachrichtendiensten verzahnt. Operative Ziele wurden den Versuchspersonen vorgelegt, ohne ihnen mitzuteilen, worum es ging – nur als geographische Koordinaten oder als verschlüsselte Senderbezeichnungen. Die Ergebnisse wurden dann mit dem tatsächlichen Ort verglichen. Diese Praxis hatte einen wissenschaftlich heiklen, methodisch aber wichtigen Vorteil: Sie schloss aus, dass die Versuchsperson das Ziel über konventionelle Kanäle (Lippenlesen, gefilterte Hinweise, Vorabwissen) erschließen konnte.
Eine sitzungsgenaue Rekonstruktion der konkreten Versuchsreihen mit Uri Geller in dieser Phase – Bildreproduktion, Würfel-in-Stahlbox, Magnetometer, ESP-Karten – mit Trefferquoten, der Forced-Choice-Ranking-Methodik und der vollständigen Kritik–Replik-Bilanz mit Randi, Gardner und Hyman findest Du in unserem SRI-Geller-Experimente-Beitrag.
Die zwei Schlüsselpublikationen
Nature 1974
Am 18. Oktober 1974 veröffentlichten Targ und Puthoff ihren Aufsatz Information transmission under conditions of sensory shielding in Nature 251, 602–607. Beschrieben wurden Telepathie-Tests mit Geller und Pat Price unter Bedingungen sensorischer Abschirmung. Die Nature-Redaktion veröffentlichte den Beitrag mit einem ungewöhnlichen redaktionellen Begleitkommentar, in dem sie offen einräumte, dass die Gutachter geteilter Meinung gewesen waren und dass die Veröffentlichung zur weiteren Diskussion einladen solle. Eine Publikation parapsychologischer Befunde in Nature ist vor und nach 1974 nahezu beispiellos.
Proceedings of the IEEE 1976
Die akademisch wichtigere Arbeit erschien zwei Jahre später, im März 1976, in den Proceedings of the IEEE 64(3), 329–354: A perceptual channel for information transfer over kilometer distances: Historical perspective and recent research. Das ist der 25-seitige Hauptaufsatz, in dem Puthoff und Targ das gesamte SRI-Programm methodisch ausführlich darlegten – Protokoll, Statistik, Versuchspersonen, Kontrollen. Die Proceedings of the IEEE ist das Flagship-Journal des Institute of Electrical and Electronics Engineers; ein Forum, das von Elektro- und Elektronikingenieuren als technisch-wissenschaftlich höchst angesehen gilt und in dem Esoterik praktisch nie erscheint. Genau diese Wahl des Veröffentlichungsortes war Programm: nicht ein „spirituelles" oder „okkultes" Journal, sondern eine ingenieurtechnische Fachzeitschrift, die eine systematische Beschreibung eines messbaren Informationskanals verlangte.
Coordinate Remote Viewing als methodische Erfindung
Die wichtigste methodische Erfindung des SRI-Programms war das Coordinate Remote Viewing (CRV) – ein hochstrukturiertes Protokoll, das Ingo Swann zwischen 1973 und 1979 in enger Zusammenarbeit mit Puthoff und Targ ausarbeitete. CRV gibt dem Viewer eine geographische Koordinate (Längen- und Breitengrad), ohne weitere Information. Der Viewer durchläuft dann sechs Stufen zunehmend dichter werdender Wahrnehmung, von ersten Form-Eindrücken über elementare Sinneswahrnehmungen bis hin zu detaillierten Beschreibungen und Skizzen.
Der wissenschaftspolitische Punkt war: CRV machte Remote Viewing lehrbar. Es hing nicht mehr an einer einzelnen begabten Persönlichkeit, sondern an einer methodischen Sequenz, die in mehreren Generationen von Viewern trainiert werden konnte. Genau das war die Bedingung, unter der die US-Streitkräfte das Programm überhaupt institutionell übernehmen konnten – ein operatives Programm braucht reproduzierbare Verfahren, nicht Begabungswunder.
Russell Targ nach SRI: Delphi Associates und die Silber-Futures 1982
Ende 1982 verließ Targ das SRI. Mit dem Psychologen Keith Harary gründete er in Kalifornien Delphi Associates, eine Beratungsfirma mit dem ausdrücklichen Ziel, Remote-Viewing-Verfahren auf zivile Anwendungen zu übertragen. Die berühmteste dokumentierte Anwendung ist die Silber-Futures-Serie: Über neun Wochen ließ Delphi einen Viewer (Harary) jeweils im Voraus die Richtung der Silberpreisbewegung auf dem Chicagoer Futures-Markt einschätzen, und ein institutioneller Investor handelte auf dieser Grundlage. In neun von neun Versuchen war die Vorhersage korrekt; der dokumentierte Gewinn lag bei rund 120.000 US-Dollar. Die Serie ist in Jim Schnabels Standardwerk Remote Viewers (Dell 1997) sowie in Targs eigenen Büchern beschrieben.
Targ hat selbst betont, dass solche Anwendungen heikel sind: Sobald Remote Viewing in einen kompetitiven, geld-getriebenen Kontext kommt, sinkt die Trefferquote bemerkenswert schnell. Die Silber-Futures-Episode endete genau aus diesem Grund. Dieser Befund passt zu dem, was die historische Mediumforschung von Crookes bis Richet über Bedingungen unter Druck beschreibt – psi-Effekte scheinen unter rein instrumenteller Nutzung empfindlich zu sein.
Eine ausführliche Rekonstruktion der Episode – mit dem Associative-Remote-Viewing-Protokoll Schritt für Schritt, der dokumentierten 9-von-9-Serie, dem Scheitern bei der Skalierung in der zweiten Phase und den Folgen bei PEAR und im Applied Precognition Project – findest Du in unserem Detail-Beitrag zu Delphi Associates und den Silber-Futures 1982.
Harold Puthoff nach SRI: EarthTech, IAS-A und der UAP-Bogen 2017
Puthoff blieb länger am SRI als Targ und gründete Mitte der 1980er Jahre EarthTech International und das Institute for Advanced Studies at Austin (IAS-A) – beide in Austin, Texas. Er arbeitete dort zu Quantenvakuum-Physik (das sogenannte „polarizable vacuum"-Modell der Gravitation), Zero-Point-Energy-Forschung und exotischen Antriebskonzepten. Diese Arbeiten haben eine kleinere, aber dauerhafte akademische Anhängerschaft und werden in Mainstream-Physik nur am Rand rezipiert.
Im Dezember 2017 wurde Puthoff in einem viel beachteten Artikel der New York Times (Leslie Kean, Helene Cooper, Ralph Blumenthal: „Glowing Auras and ‚Black Money'", 16. Dezember 2017) als einer der Wissenschaftler genannt, die in den 2000er Jahren für das verdeckte Pentagon-Programm AAWSAP / AATIP (Advanced Aerospace Weapons Systems Application Program / Advanced Aerospace Threat Identification Program) Materialanalysen und konzeptionelle Studien zu unidentifizierten Luftphänomenen (UAP) durchgeführt haben. Diese Verbindung stellt einen Bogen vom SRI-Programm der 1970er Jahre zum aktuellen UAP-Diskurs her, der seit 2017 in den USA wieder politisch und institutionell präsent ist.
Elisabeth Targ – die Tochter und ihre Fernheilungs-Studien
Eine eigene, dichte Geschichte ist die von Elisabeth Targ (1961–2002), der Tochter Russell Targs. Psychiaterin am California Pacific Medical Center in San Francisco, war sie eine der wenigen klinischen Forscherinnen, die nach den klassischen Standards randomisierter, doppelt verblindeter klinischer Studien zur Wirkung von distant healing – Fernheilung – arbeiteten. Ihre wichtigste publizierte Arbeit erschien 1998 im Western Journal of Medicine (Sicher, Targ et al., „A randomized double-blind study of the effect of distant healing in a population with advanced AIDS", WJM 169, 356–363): Bei AIDS-Patienten im Spätstadium zeigte die Fernheilungs-Gruppe statistisch signifikant bessere klinische Verläufe als die Kontrollgruppe.
2002 leitete sie eine analoge Studie zur Wirkung von Fernheilung bei Patienten mit Glioblastoma multiforme – einem besonders aggressiven Hirntumor. Mitten in der Durchführung dieser Studie erkrankte sie selbst an einem Glioblastom und starb im Juli 2002, vierzig Jahre alt. Ihr Tod gehört zu den ungewöhnlichsten und biographisch dichtesten Ereignissen in der jüngeren psi-Forschungsgeschichte.
Was bleibt heute
Russell Targ ist im Jahr 2026 über neunzig Jahre alt, lebt in Kalifornien und tritt weiterhin in Interviews und Vorträgen auf. Seine späteren Bücher Limitless Mind (New World Library 2004), Do You See What I See? Memoirs of a Blind Biker (Hampton Roads 2008) und The Reality of ESP (Quest Books 2012) fassen die SRI-Erfahrung aus der Distanz mehrerer Jahrzehnte zusammen. Harold Puthoff ist Ende achtzig, arbeitet weiter an seinen Themen in Austin und hat in den 2010er und 2020er Jahren zahlreiche Interviews und Konferenzvorträge gehalten. Beide sind im Dokumentarfilm Third Eye Spies (Lance Mungia, 2017) ausführlich zu sehen.
Was Puthoff und Targ am SRI gemacht haben, lässt sich heute, im Lichte der seit 2017 freigegebenen CIA-Akten, sehr genau rekonstruieren. Es ist keine Hagiographie und kein Sieg eines Lagers über das andere. Es ist die Geschichte zweier ausgebildeter Physiker, die sich entschieden, einer Frage nachzugehen, die in ihrem akademischen Umfeld nicht vorgesehen war – und dabei lange genug bei den methodischen Standards ihres eigenen Fachs blieben, um Befunde in Nature und in den Proceedings of the IEEE zu publizieren. Diese doppelte Bindung – an die Frage und an die Methode – ist das, was ihr Werk auch fünfzig Jahre später noch lesbar macht.
Quellen: Russell Targ & Harold Puthoff, Information transmission under conditions of sensory shielding, Nature 251, 602–607, 18. Oktober 1974. Harold E. Puthoff & Russell Targ, A perceptual channel for information transfer over kilometer distances: Historical perspective and recent research, Proceedings of the IEEE 64(3), 329–354, März 1976. Targ & Puthoff, Mind-Reach: Scientists Look at Psychic Ability, Delacorte Press 1977. Jim Schnabel, Remote Viewers: The Secret History of America's Psychic Spies, Dell 1997 (Delphi-Associates-Episode). F. Sicher, E. Targ, D. Moore II, H. S. Smith, A randomized double-blind study of the effect of distant healing in a population with advanced AIDS, Western Journal of Medicine 169(6), 356–363, Dezember 1998. Leslie Kean, Helene Cooper, Ralph Blumenthal, Glowing Auras and „Black Money": The Pentagon's Mysterious U.F.O. Program, The New York Times, 16. Dezember 2017. Lance Mungia, Third Eye Spies, Dokumentarfilm 2017. Russell Targ, Limitless Mind, New World Library 2004; Do You See What I See?, Hampton Roads 2008; The Reality of ESP, Quest Books 2012. Freigegebene CIA-Stargate-Akten, CIA Reading Room (online seit 2017).
