Nur wenige Medien haben ein Millionenpublikum erreicht. Lisa Williams gehört dazu: Die Britin bekam von TV-Legende Merv Griffin eine eigene Serie, füllte danach Säle auf mehreren Kontinenten – und zog sich auf dem Höhepunkt aus Los Angeles zurück, um in einem Dorf zu leben, das seit dem 19. Jahrhundert den Spiritualisten gehört. Heute gibt sie Readings nur noch per Zoom und bildet an ihrer eigenen Schule Medien aus.
Die Enkelin von Frances Glazebrook
Lisa Williams wurde am 19. Juni 1973 in Birmingham geboren – in eine Familie, in der Medialität bereits einen Namen hatte: Ihre Großmutter Frances Glazebrook war ein in Großbritannien bekanntes Psychic und sagte ihrer Enkelin voraus, sie werde einmal in ihre Fußstapfen treten. Lisa glaubte ihr nicht. Ihre erste eigene Erinnerung an die andere Welt datiert sie auf das Alter von vier Jahren: Am Esstisch habe der Geist ihres Großonkels sie vor den Erbsen auf ihrem Teller gewarnt – er selbst war Jahre zuvor an Erbsen erstickt. So erzählt sie es; nachprüfen lässt sich eine solche Kindheitserinnerung naturgemäß nicht, aber sie markiert den Anfang der Geschichte, die Williams später in ihrem ersten Buch aufschrieb.
Als junge Frau gab sie zunächst Readings im Freundeskreis, dann hauptberuflich. Der Wendepunkt kam, als ihre Arbeit Prominenten auffiel – und mit ihnen einem Mann, der wusste, wie man aus Talent Fernsehen macht.
Merv Griffin und die Kameras
Merv Griffin, Erfinder von „Jeopardy!" und „Wheel of Fortune", holte Williams nach Los Angeles und nahm sie unter Vertrag. Das Ergebnis war „Lisa Williams: Life Among the Dead" – zwei Staffeln auf Lifetime (ab 2006), gefolgt von „Lisa Williams: Voices From the Other Side" (2008) und später „Lisa Williams Live". Sie war Gast bei Oprah Winfrey, Anderson Cooper 360 und Jimmy Kimmel Live; nach eigener Angabe hat sie weltweit vor über sieben Millionen Menschen gesprochen. In Interviews aus dieser Zeit beschreibt sie auch Anfragen von Polizei und Angehörigen in Vermisstenfällen – ein Arbeitsfeld, dessen Möglichkeiten und Grenzen wir im Beitrag über Medien in der Polizeiarbeit genauer ansehen.
Parallel zur Fernseharbeit entstanden ihre Bücher: „Life Among the Dead" erzählt den eigenen Weg, „The Survival of the Soul" fragt nach dem, was den Tod übersteht, dazu kamen „Was That A Sign From Heaven?" und zuletzt der Inspirationsband „Divine Wisdom" sowie mehrere Orakelkarten-Decks.
Die Lehrerin
2013 gründete Williams ihre eigene Schule, die Lisa Williams International School of Spiritual Development (LWISSD, heute „Psychic Medium Training Academy"). Nach eigener Angabe hat sie dort Tausende Schüler unterrichtet und 44 „Master Teachers" ausgebildet, die weltweit ihr Curriculum weitertragen. Bemerkenswert ist, wie sie ihre Rolle begründet – nicht als Geschäftsmodell, sondern als Qualitätsfrage. „Wir haben das Leben eines Menschen in unseren Händen", sagte sie dem Magazin Vice. „Wir können jemanden zerstören, wenn wir nicht wissen, was wir tun." Sie plädiert offen für Zertifizierung und Regulierung ihres Berufsstands – eine Debatte, die in Großbritannien seit Langem geführt wird und die wir im Beitrag über britische Mediumschafts-Zertifizierungen nachzeichnen.
Lily Dale
Nach achteinhalb Jahren Los Angeles zog Williams die Konsequenz aus einem Leben zwischen Studios und Tourneen: Sie verließ die Stadt und ließ sich in Lily Dale nieder, dem traditionsreichen Spiritualisten-Dorf im US-Bundesstaat New York – „der Heimat des Spiritualismus", wie sie es nannte. Der Umzug war ein Statement: weg vom Entertainment, hin zu Familie, Schreiben und Lehre. Wer heute bei ihr sitzt, tut das per Zoom – jede Sitzung wird aufgezeichnet und zugesandt, und am Anfang steht stets dieselbe Frage: „Möchtest du alles wissen?"
Basel und die deutschsprachige Bühne
Auch im deutschsprachigen Raum ist Williams keine Unbekannte: Beim Basler Psi-Verein, der größten Bühne für Medialität zwischen Hamburg und Zürich, steht sie auf der Referentenliste neben Namen wie Gordon Smith und James Van Praagh. Ihr Profil in unserem Verzeichnis führt die aktuellen Formate und Preise auf. Ihre Laufbahn zeigt exemplarisch, was das Fernsehen der Mediumschaft geben und nehmen kann: Reichweite und Bekanntheit auf der einen Seite – und auf der anderen die Notwendigkeit, sich immer wieder neu dafür zu entscheiden, wozu die Gabe eigentlich da sein soll.
Quellen: Die About-Seite und Bücherübersicht von lisawilliams.com; das Interview „Celebrity Psychic Lisa Williams…" bei Vice; das LAist-Interview (2009); die Referentenbiografie des Omega Institute; die Pressemitteilung zur Victory of Light Expo (Frances Glazebrook, Geburtsdaten) sowie die Referentenliste auf bpv.ch. Reichweiten- und Ausbildungszahlen sind Eigenangaben.
Mehr dazu in unserer kuratierten Wissenssammlung – dort finden sich weitere Beiträge zu Mediumschaft, TV-Medien und Ausbildungswegen.
