Survival statt nur Psi: Tressoldi 2021

Veröffentlicht am 2026-08-06 · Lesezeit ca. 11 Minuten

In der wissenschaftlichen Erforschung der Mediumschaft gibt es ein altes, philosophisch brisantes Dilemma: Wenn ein Medium unter strengen Blindbedingungen verifizierbare Fakten über einen Verstorbenen nennt – woher stammen diese Informationen? Lesen Medien telepathisch im Gedächtnis des lebenden Hinterbliebenen („Super-Psi“- bzw. Telepathie-Hypothese) oder stellen sie tatsächlich Kontakt mit dem überlebenden Bewusstsein des Verstorbenen her („Survival“-Hypothese)? In seiner Studie aus dem Jahr 2021 stellte der italienische Bewusstseinsforscher Patrizio Tressoldi genau diese Schlüsselfrage auf den Prüfstand.

Das Dilemma: Super-Psi vs. Echtes Überleben

Viele renommierte Forscher – wie etwa Dr. Julie Beischel vom Windbridge Research Center – wählen aus wissenschaftlicher Vorsicht den weltanschaulich neutralen Begriff „Anomalous Information Reception“ (AIR). Damit beschränken sie sich darauf nachzuweisen, dass Informationen auf anomalem Wege empfangen wurden, lassen die Frage nach einem Leben nach dem Tod aber ausdrücklich offen.

Patrizio Tressoldi ging in seiner 2021 veröffentlichten Studie „Mediumship accuracy: A quantitative and qualitative study with a triple-blind protocol“ einen entscheidenden Schritt weiter: Er fragte, ob sich aus der *Art* und *Qualität* der Treffer Rückschlüsse darauf ziehen lassen, welche der beiden Hypothesen die empirischen Daten besser erklärt.

Das Studiendesign von 2021

Die Untersuchung wurde mit hoher methodischer Strenge durchgeführt:

  • 9 zertifizierte Medien führten **38 Einzel-Readings** für 38 Verstorbene durch.
  • Dem Medium war vor Beginn lediglich der **Vorname des Verstorbenen** bekannt.
  • Das Verfahren folgte einem **dreifach-blinden Protokoll**: Weder Medium noch Sitter noch Auswerter hatten während der Sitzung oder der Erstcodierung Kontakt zueinander.

Die qualitative Auswertung: Wo liegt die Spezifität?

Neben der rein quantitativen Messung der Trefferquote führte Tressoldi eine gründliche **qualitative Inhaltsanalyse** der Aussagen durch. Die Überlegung dahinter war bestechend logisch:

  • Wenn die Telepathie-/Super-Psi-Hypothese zutrifft: Dann sollte das Medium vor allem jene Informationen abrufen, die im Bewusstsein oder Unterbewusstsein des anwesenden bzw. zugewiesenen Sitters zum Zeitpunkt des Readings besonders aktiv, emotional aufgeladen oder präsent sind.
  • Wenn die Survival-Hypothese zutrifft: Dann sollten die Aussagen eine hohe Spezifität auf konkrete, objektive biografische Details, Eigenheiten und Persönlichkeitsmerkmale des *Verstorbenen* aufweisen – unabhängig davon, ob der Sitter während der Sitzung aktiv an diese Details dachte.

Die Auswertung zeigte ein klares Bild: Die empfangenen Botschaften wiesen eine präzise Ausrichtung auf spezifische Lebensdaten, Hobbys, Todesursachen und Charakterzüge der Verstorbenen auf. Sie spiegelten nicht die momentane emotionale Befindlichkeit oder die gedanklichen Schwerpunkte der Sitter wider.

Tressoldis Schlussfolgerung: Ein mutiges Votum für „Survival“

Auf Basis dieser qualitativen Daten gelangte Tressoldi zu einer im akademischen Forschungsfeld bemerkenswerten und mutigen Schlussfolgerung:

„Die empirischen Daten stützen die Survival-Hypothese (das Überleben des Bewusstseins) stärker als die reine Super-Psi- oder Telepathie-Hypothese.“

Während Beischel und andere Vertreter die Survival-Frage als wissenschaftlich unentscheidbar in der Schwebe halten, argumentiert Tressoldi: Die hohe Spezifität der Treffer auf die Person des Verstorbenen zwingt die Wissenschaft dazu, die Erklärungsoption eines fortbestehenden Bewusstseins als ernsthafte und datengestützte Arbeitshypothese zu akzeptieren.

Bedeutung für die moderne Medialitätsforschung

Die Studie von 2021 bildet das methodische Fundament für Tressoldis spätere OMEGA-Studie von 2022. Sie zeigt, dass die parapsychologische Forschung nicht bei der Frage stehenbleiben muss, *ob* Medien ungewöhnliche Informationen erhalten, sondern aktiv untersuchen kann, *welcher Natur* diese Informationsquelle ist.

Quellen: Patrizio Tressoldi et al.: Mediumship accuracy: A quantitative and qualitative study with a triple-blind protocol (2021); Patrizio Tressoldi, Luciano Liberale, & Fernando Sinesio: Is There Someone in the Hereafter? Mediumship Accuracy of 100 Readings Obtained with a Triple Level of Blinding Protocol. OMEGA – Journal of Death and Dying (2022).

Weiterführende Artikel: Lies auch unsere Analyse zur OMEGA-Studie 2022 sowie unseren Beitrag zu Dr. Julie Beischels Windbridge-Forschung.