Die SAGB in London

Veröffentlicht am 2026-07-21 · Lesezeit ca. 11 Minuten

Wer sich mit britischer Mediumschaft beschäftigt, stößt immer wieder auf drei Buchstaben: SAGB. Die Spiritualist Association of Great Britain ist die älteste der großen spiritualistischen Institutionen des Landes – gegründet 1872, sechsundzwanzig Jahre nachdem der moderne Spiritualismus in Amerika begonnen hatte. Anders als das Arthur Findlay College, das vor allem Ausbildungsstätte ist, war und ist die SAGB ein Ort, an dem man ein Medium schlicht buchen kann.

Ein Winterabend in Marylebone

Die Association erzählt ihre eigene Gründungsgeschichte fast literarisch. Am 7. Februar 1872, einem kalten Abend im viktorianischen London, versammelte sich in der David Street 16 im West End rund ein Dutzend Freunde. Über ihre Herkunft weiß man nichts – nur, dass sie ein einziges Anliegen hatten: eine spiritualistische Gesellschaft zu gründen. Ein paar informelle Treffen später, am 10. Juli 1872, entstand die Marylebone Spiritualist Association.

Die ersten Jahre waren mühsam. Man traf sich an wechselnden Orten in London, darunter eine Schreinerwerkstatt und ein ehemaliges Polizeigericht. Spiritualismus war ein Tabuthema, und das Vorurteil war so groß, dass die Vereinigung ihren Namen gelegentlich inoffiziell änderte – um überhaupt Räume zu bekommen.

Im September 1894 ermöglichte eine anonyme Spende von 50 Pfund einen festen Versammlungsort in der Mortimer Street. Die Eröffnungsrede hielt Emma Hardinge Britten – jene Medium und Autorin, die das Magazin „Two Worlds" gegründet hatte und auf die die Prinzipien der Spiritualists' National Union zurückgehen.

Russell Square, Belgrave Square

Erst im Februar 1930 bekam die Vereinigung eigene, dauerhafte Räume: 42 Russell Square in Holborn. Bis dahin hatte eine beeindruckende Reihe von Namen für sie gearbeitet – die Romanautorin Florence Marryat, der Journalist W. T. Stead, Alfred Vout Peters, Estelle Roberts, Annie Brittain, Horace Leaf, der Trance-Heiler Fred Jones, das Trance- und Direct-Voice-Medium Kathleen Barkel, Nan Mackenzie, Bertha Harris.

Nicht einmal der Zweite Weltkrieg unterbrach den Betrieb: Im Keller wurde ein offizieller Luftschutzraum eingerichtet, und die Arbeit ging weiter. Danach kamen Ena Twigg und Ivy Northage dazu.

1955 folgte der große Sprung – der Erwerb eines Pachtvertrags über 33 Belgrave Square, mitten in Belgravia. Die Pacht lief 92 Jahre und kostete 24.500 Pfund, aus heutiger Sicht ein Spottpreis. Eröffnet wurde das Haus von Air Chief Marshal Lord Dowding, dem Oberbefehlshaber der Luftverteidigung in der Luftschlacht um England und bekennenden Spiritualisten. Im selben Zug wurde die Vereinigung nach einer Eingabe beim Board of Trade in Spiritualist Association of Great Britain umbenannt.

Zum neunzigsten Jahrestag 1962 baute man sechs neue Räume im Erdgeschoss – eigens für Einzelsitzungen. In diesen Jahren saßen dort Medien wie die Psychic Artist Coral Polge, Lilian Bailey, Ursula Roberts, Doris Collins, Magdalene Kelly, Harold Sharp, Nora Blackwood, Robin Stevens und David Young.

Bei der Renovierung wurden die Räume nach den Pionieren benannt: die Oliver-Lodge-Halle, der Dowding-Flügel und die Conan-Doyle-Halle. Ausgestellt ist bis heute ein Stuhl, in dem Arthur Conan Doyle mehrere seiner Sherlock-Holmes-Geschichten geschrieben haben soll.

Der Umzug – und was er über die Zeit erzählt

Am 5. Dezember 2010 um sieben Uhr abends schloss die SAGB die Türen von 33 Belgrave Square – nach fünfundfünfzig Jahren. Der Grund war nüchtern und wird von der Association selbst offen benannt: Als Pächterin musste sie ein über 175 Jahre altes Gebäude instand halten, dessen Verfall schneller voranschritt, als es sich ohne Eigentum am Grundstück rechnete. Nach der Bankenkrise waren die Erträge aus Anlagen eingebrochen, Spenden blieben aus – der gesamte gemeinnützige Sektor stand unter Druck. Der Erwerb des Freehold wurde aus Kostengründen aufgegeben.

Es folgte der Umzug ins Victoria Charity Centre an der Belgrave Road, heute sitzt die Association in Battersea. Diese Passage ihrer eigenen Chronik ist ungewöhnlich ehrlich für eine Institution, die auf ihre Geschichte stolz ist – sie beschreibt einen Abstieg der Adressen, ohne ihn zu beschönigen.

Was man dort heute bekommt

Der erklärte Zweck ist seit 1872 derselbe geblieben: durch Mediumschaft Belege für das Fortbestehen der Persönlichkeit nach dem physischen Tod zu liefern und durch geistiges Heilen Leid zu lindern. Die SAGB ist als Wohltätigkeitsorganisation registriert.

  • Einzelsitzungen – persönlich, telefonisch oder per Skype, 40 £ für 30 Minuten
  • Offene Zirkel, Demonstrationen und Sonntagsgottesdienste
  • Geistiges Heilen, dazu Selbst- und Fernheilung
  • Workshops (50 £ für Mitglieder, 60 £ für Nichtmitglieder), Vorträge, Klassen, Privatunterricht
  • Beratung: Trauerbegleitung, spirituelle und Paarberatung, Rückführung und Hypnotherapie – 80 £ pro Stunde
  • Zoom-Formate für Klassen, Zirkel, Workshops und Veranstaltungen

Fünfzehn Medien stehen namentlich für Einzelsitzungen zur Verfügung. Eines davon ist bei uns im Verzeichnis: Dorothy Young, CSNU, die dort auch einen eigenen offenen Zirkel leitet.

Der ehrlichste Absatz auf ihrer Website

Bemerkenswert ist, was die SAGB ihren Besuchern vorab mitteilt. Unter der Überschrift „Notice to Sitters" steht sinngemäß: Jede Sitzung sei ein Versuch, ihr Gelingen könne nicht garantiert werden. Kein Medium könne bestimmte, vom Sitzenden gewünschte Beweise liefern. Die Aufgabe eines Mediums sei es, Belege für ein Fortbestehen zu geben – nicht, die Zukunft vorherzusagen. Und wer mit einer Sitzung unzufrieden sei, müsse das dem Medium innerhalb der ersten zehn Minuten sagen; danach gebe es keine Rückerstattung.

Das ist keine Werbesprache, sondern eine Erwartungssteuerung, wie man sie sich häufiger wünschen würde. Sie passt zu dem, was wir in unserer Übersicht der britischen Zertifizierungen beschrieben haben: Der britische Spiritualismus prüft Mediumschaft seit über einem Jahrhundert in geordneten Verfahren – und redet dabei erstaunlich nüchtern über die Grenzen dessen, was ein Medium leisten kann.

Quellen: Die Website der Association, sagb.org.uk – insbesondere die Seiten „History of the Association" (Chronik 1872–2015), „About the Association", „Sittings", „Mediums' Profiles" und „Guide to Fees". Preise und Öffnungszeiten können sich ändern; maßgeblich ist immer die Angabe der Association.

Mehr dazu in unserer kuratierten Wissenssammlung – dort finden sich weitere Beiträge zu Mediumschaft, Ausbildung und Prüfverfahren.