Ryan Hammons – Reinkarnationsfall

Veröffentlicht am 2026-08-06 · Lesezeit ca. 11 Minuten

Unter den tausenden von der Division of Perceptual Studies (DOPS) an der University of Virginia untersuchten Fällen gibt es wenige, die in der Dichte ihrer verifizierten Details an den Fall Ryan Hammons heranreichen. Als vierjähriger Junge in Oklahoma behauptete Ryan, er sei in einem früheren Leben ein Hollywood-Agent im Amerika der 1930er und 1940er Jahre gewesen. Die anschließende Untersuchung von Dr. Jim B. Tucker förderte erstaunliche 55 spezifische, nachprüfbare Übereinstimmungen mit dem Leben des historischen Hollywood-Agenten Marty Martyn zutage.

„Das bin ich!“ – Die Fotografie aus dem Jahr 1932

Die Geschichte begann in Muskogee, Oklahoma. Ab dem Alter von vier Jahren litt der kleine Ryan unter nächtlichen Panikattacken. Er wachte auf, hielt sich die Brust und bat seine Mutter Cyndi Hammons, ihn „nach Hause nach Hollywood“ zu bringen. Er sprach von Begegnungen mit Stars wie Rita Hayworth, von Reisen auf Ozeandampfern nach Europa und von einem großen Haus mit einem Swimmingpool in Beverly Hills.

Da die Familie keine Verbindungen zur Filmbranche hatte und in einer ländlichen, baptistischen Umgebung lebte, lieh sich seine Mutter Bücher über das klassische Hollywood aus der Bibliothek aus, um ihrem Sohn zu helfen. Beim Durchblättern eines Buchs über den Film Night After Night (1932, mit Mae West und George Raft) geschah das Entscheidende: Ryan zeigte auf den Statisten im Hintergrund einer Szene und rief aufgeregt: „Das bin ich! Das bin ich wirklich!“

Die Identifizierung von Marty Martyn

Der Mann auf dem Foto hatte im Film keine Sprechrolle und war im Abspann nicht genannt. Es bedurfte wochenlanger Recherche von Filmhistorikern und des Teams von Dr. Jim B. Tucker, um die Identität des Statisten festzustellen: Es handelte sich um Morris Kolinsky, der unter dem Künstlernamen Marty Martyn (1903–1964) erst als Tänzer auf dem Broadway, dann als Schauspieler und schließlich als erfolgreicher Talent-Agent in Hollywood gearbeitet hatte.

55 verifizierte Details – Ein Kriminalfall der Bewusstseinsforschung

Die Mutter zeichnete Ryans Aussagen systematisch auf, *bevor* die Lebensgeschichte von Marty Martyn rekonstruiert werden konnte. Als Dr. Jim B. Tucker nach Los Angeles reiste, um Martyns Tochter zu befragen und Gerichts- sowie Nachlassakten einzusehen, konnte er 55 Einzelaussagen des Jungen abgleichen. Alle erwiesen sich als exakt zutreffend:

  • Adresse in Beverly Hills: Ryan nannte eine Straße, in deren Namen das Wort „Rox“ vorkam. Martyn wohnte tatsächlich am 825 North Roxbury Drive.
  • Lebensstil: Ryan berichtete von einem großen Pool, einem grünen Auto, Chinesischem Essen und dass er Sonnenbrillen sammelte – alles von der Tochter bestätigt.
  • Familie & Beziehungen: Er wusste, dass Martyn eine Schwester hatte, die als Tänzerin arbeitete, dass er mehrmals verheiratet war (Martyn war fünfmal verheiratet) und einen Hund namens Chin-Chin besaß.
  • Freunde & Stars: Er nannte die Freundschaft mit Schauspieler George Raft und beschrieb detailliert Partys in Hollywood.

Der spektakuläre Fehler auf der Sterbeurkunde

Das beeindruckendste Detail des Falls betrifft das Sterbealter. Der kleine Ryan bestand hartnäckig darauf, dass er im Alter von **61 Jahren** gestorben sei, worauf er sich an Schmerzen in der Brust erinnerte. Als Dr. Tucker die offizielle Sterbeurkunde von Marty Martyn anforderte, stand dort jedoch: *Geboren 1905, Gestorben 1964* – was ein Sterbealter von 59 Jahren ergeben hätte. Für Skeptiker schien der Fall widerlegt.

Doch Dr. Tucker forschte weiter in historischen Volkszählungsakten (Census Records) und Geburtsregistern in Philadelphia. Es stellte sich heraus, dass die offizielle Sterbeurkunde fehlerhaft ausgestellt worden war: Marty Martyn wurde tatsächlich im Jahr 1903 geboren. Er war zum Zeitpunkt seines Todes an einem Herzinfarkt im Jahr 1964 somit exakt **61 Jahre alt** – genau wie das dreijährige Kind behauptet hatte.

Wissenschaftliche Einordnung

Für die Reinkarnationsforschung des DOPS gilt der Fall Ryan Hammons neben dem Fall James Leininger als eines der stärksten Argumente für das Vorhandensein von Informationen, die nicht durch gewöhnliche Sinneswahrnehmungen oder soziale Einflüsse erklärt werden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein vierjähriges Kind in Oklahoma ohne Internetrecherche 55 spezifische Details eines weitgehend vergessenen Hollywood-Agenten der 1930er Jahre durch Zufall rät, liegt nahe null.

Fazit

Der Fall Ryan Hammons verdeutlicht, wie wichtig die Trennung von Früherinnerungen und elterlicher Recherche ist. Da Ryans Mutter seine Aussagen vor der Identifizierung des Fotos schriftlich festgehalten hatte, gehört dieser Fall zu den methodisch saubersten Dokumentationen in der Bibliothek der Reinkarnationsforschung.

Quellen: Jim B. Tucker: Return to Life: Extraordinary Cases of Children Who Remember Past Lives (St. Martin's Press, 2013); Jim B. Tucker & Kean H.: Analysis of Statements in a Reincarnation Case (DOPS, University of Virginia, 2014); Division of Perceptual Studies (DOPS) at UVA School of Medicine.

Weiterführende Artikel: Lies auch die Porträts zu Jim Tucker & DOPS heute sowie den Fallbericht zu James Leininger.