Dolly Röschli (geb. 1975) gehört zu den bekanntesten Mediumninnen der deutschsprachigen Schweiz. Sie ist im Emmental aufgewachsen, hat ihre mediale Ausbildung am Arthur Findlay College in England absolviert und arbeitet seit 2003 hauptberuflich in eigener Praxis im Zürcher Oberland. Ihr Buch Hallo, Jenseits – Mein Dialog mit der geistigen Welt (Wörterseh Verlag 2018) wurde in der Schweiz zum Bestseller.
Eine Kindheit im Emmental
Dolly Röschli wurde 1975 in Wyssachen im bernischen Emmental geboren. Schon als kleines Kind nahm sie Verstorbene wahr, die für andere unsichtbar waren – darunter ihren Urgroßvater, den sie nie persönlich kennengelernt hatte. Ihre Familie hielt das zunächst für Fantasie, bis sich herausstellte, dass das Mädchen Details über Verwandte wusste, die es eigentlich nicht wissen konnte.
In der Schulzeit in Huttwil wurde diese Fähigkeit zur Last. Sie fühlte sich oft als Außenseiterin und wollte „einfach normal sein". Nach der Schule zog sie nach Zürich, absolvierte eine kaufmännische Lehre und arbeitete später als Flugbegleiterin.
Vom Cabin-Crew-Alltag zum Arthur Findlay College
Mit etwa zwanzig Jahren stand sie vor einer Entscheidung: Entweder die Wahrnehmungen weiter unterdrücken – oder sie ordentlich lernen. Sie meldete sich am Arthur Findlay College in Stansted Hall (England) an, der weltweit führenden Schule für die mediale Ausbildung im Stil des britischen Spiritualismus.
Dort lernte sie nicht nur, ihre Hellsicht gezielt einzusetzen, sondern auch das Gegenteil: sie wieder „abzuschalten", damit sie im Alltag nicht permanent Verstorbene anderer Menschen wahrnimmt. Diese Selbstkontrolle ist eines der zentralen Themen ihrer Ausbildung – und genau der Unterschied zwischen einer geschulten Mediumin und einer Person, die ihre Wahrnehmung einfach nur „hat" und damit oft überfordert ist.
Mit dieser englischen Schulung steht sie in derselben Linie wie Pascal Voggenhuber oder Paul Meek: die urbane, methodisch geschulte Beweis-Mediumschaft, die in der Schweiz parallel zur alten alpinen Heiltradition existiert (siehe Mediumschaft in der Schweiz).
Eigene Praxis seit 2003
Zunächst hielt Dolly Röschli Sitzungen am Feierabend ab, neben ihrem Beruf. Seit 2003 widmet sie sich ausschließlich der medialen Arbeit. Ihre Praxis liegt in Aathal-Seegräben im Zürcher Oberland, an der Zürichstraße 17.
Heute bietet sie an:
- Einzelsitzungen – mediale Beratungen und Jenseitskontakte.
- Gruppenabende und Jenseitsdemonstrationen.
- Trauerbegleitung für Hinterbliebene.
- Seminare und Workshops, unter anderem zur Frage „Bin ich medial?".
Auf ihrer Webseite empfiehlt sie ausdrücklich, ein Medium nicht öfter als zwei Mal pro Jahr aufzusuchen. Das ist ein bemerkenswert zurückhaltender Hinweis in einem Markt, der sonst gerne in die andere Richtung verkauft.
Arbeitsweise: Beweis-Mediumschaft, keine Wahrsagerei
Dolly Röschli betont, dass sie keine Hellseherin für die Zukunft ist. Im Zentrum ihrer Arbeit steht der Kontakt zu konkreten Verstorbenen – Eltern, Großeltern, Partnerinnen, Kindern, manchmal weit entfernten Verwandten, die das Medium nicht kennen kann. Die Methodik dahinter ist klassisch englisch: Namen, Daten, kleine biografische Details, die der Trauernde wiedererkennt. Erst danach kommen Botschaften.
Diese Reihenfolge – erst Beweis, dann Trost – ist das Markenzeichen der Schule, in der sie ausgebildet wurde. Sie macht den Unterschied zu Beratungsformen, in denen das Medium nur „spürt" und damit auf alles und jeden passen könnte.
„Ich verstehe die Skepsis. Ich kann aber nicht ändern, dass ich diese Wahrnehmungen wirklich habe."
„Hallo, Jenseits" – das Buch
2018 erschien im Schweizer Wörterseh Verlag ihre Autobiografie Hallo, Jenseits – Mein Dialog mit der geistigen Welt. Das Taschenbuch folgte 2019, dazu eine Hörbuchfassung und später Meditationsaufnahmen unter dem Titel Hallo, Jenseits – Meditieren mit Dolly Röschli.
Das Buch erzählt sehr persönlich, wie aus dem verängstigten Kind aus Wyssachen, das „einfach normal" sein wollte, eine Frau wurde, die heute öffentlich und mit Klarnamen zu ihrer medialen Arbeit steht. Es wurde in der Schweiz zum Bestseller – ein bemerkenswerter Erfolg für ein Buch, das ohne Mystifizierung und ohne Sensationston auskommt.
Eine ungewöhnlich öffentliche Rolle
Was Dolly Röschli von vielen anderen Medien unterscheidet, ist ihre Präsenz im Schweizer Mainstream. Sie war in mehreren großen Sendungen zu Gast:
- SRF Sternstunde Religion: in der Folge „Kontakt mit Verstorbenen: Humbug oder Realität?" diskutierte sie ihre Arbeit mit einer skeptischen Pfarrerin – auf Augenhöhe, ohne Verteidigungsmodus. Ein Beitrag, der sich auf unserer Wissen-Seite wiederfindet.
- SRF Glanz & Gloria (2019): eine Reporterin machte einen Selbstversuch in ihrer Praxis.
- Tele Züri „TalkTäglich" sowie der Berner Sender NEO1.
- Porträts in Blick, Berner Zeitung, Tages-Anzeiger und Zürcher Oberländer.
Diese Bühne nutzt sie auffällig leise. Sie spricht ruhig, ohne große Gesten, und beschreibt ihren Alltag selbst als „ganz normales Bünzli-Leben" – verheiratet, drei Kinder, Garten, Familie. Diese Bodenständigkeit ist Teil ihrer Wirkung: Sie macht das Thema verhandelbar für ein Publikum, das mit klassischer Esoterik wenig anfangen kann.
Warum Dolly Röschli wichtig ist
- Schule und Methode: Arthur-Findlay-Ausbildung in der Tradition der Beweis-Mediumschaft – nicht Bauchgefühl, sondern Namen, Daten, Details.
- Zwanzig Jahre Praxis: hauptberuflich seit 2003 in eigener Praxis. Das ist eine seltene Konstanz in einem volatilen Markt.
- Mainstream-Akzeptanz: SRF Sternstunde, Glanz & Gloria, große Zeitungen. Wenige Medien im deutschsprachigen Raum sind so im öffentlichen Diskurs angekommen.
- Bodenständigkeit: Familienleben, ruhige Sprache, ausdrückliche Empfehlung, nicht öfter als zwei Mal pro Jahr ein Medium aufzusuchen. Wenig Verkauf, viel Sorgfalt.
Dolly Röschli zeigt, wie die schweizerische Spielart der Beweis-Mediumshaft heute aussieht: methodisch englisch, persönlich bodenständig, öffentlich präsent – und ohne die Aufgeregtheit, die das Thema in Deutschland und Österreich oft begleitet.
