Remote Viewing klingt nach Geheimdienst-Folklore – ist aber eine der am besten dokumentierten parawissenschaftlichen Methoden des 20. Jahrhunderts. Im Podcast {ungeskriptet} by Ben berichtet die österreichische Hellseherin Birgit Fischer ab Minute 1:21:20 von ihrer Arbeit als Remote Viewerin und schlägt den Bogen vom CIA-Programm der 1970er-Jahre bis zu aktuellen Vermisstenfällen. Dieser Artikel ordnet ein, was Remote Viewing wirklich ist, was Fischer schildert und wo die Methode zwischen Wissenschaft und Mediumschaft steht.
Was ist Remote Viewing?
Als Remote Viewing bezeichnet man die Fähigkeit, Eindrücke von Orten, Personen oder Ereignissen zu beschreiben, zu denen man keinen sinnlichen Zugang hat. Der Begriff geht auf den US-Amerikaner Ingo Swann Anfang der 1970er-Jahre zurück. Ab 1972 untersuchten die Physiker Russell Targ und Hal Puthoff am Stanford Research Institute (SRI), ob diese Wahrnehmung unter kontrollierten Bedingungen reproduzierbar ist. Aus den Versuchen wuchs ein verdecktes Forschungs- und Operationsprogramm der US-Regierung, an dem CIA, DIA, Heeresnachrichtendienst und NSA gemeinsam beteiligt waren – heute bekannt als Stargate-Programm.
Über mehr als zwei Jahrzehnte arbeiteten dort ausgebildete Viewer wie Joe McMoneagle, Pat Price und Ingo Swann selbst an realen Aufträgen: vom Standort sowjetischer Anlagen über den Zustand entführter Personen bis hin zu Aufenthaltsorten flüchtiger Verdächtiger. 1995 ließ die CIA das Programm vom American Institutes for Research (AIR) extern evaluieren. Der Bericht ist bis heute umstritten: Die Statistikerin Jessica Utts kam zu dem Schluss, dass die beobachteten Effekte statistisch real und repliziert seien; der Psychologe Ray Hyman räumte signifikante Anomalien ein, hielt eine konventionelle Erklärung aber für noch nicht ausgeschlossen. Das Programm wurde daraufhin eingestellt – die Methodik blieb in zivilen Trainingsstrukturen erhalten und ist heute über tausende Seiten deklassifizierter CIA-Akten öffentlich nachlesbar.
Was Birgit Fischer im Podcast schildert
In dem Gespräch mit Ben unterteilt Fischer ihre Arbeit in drei Felder: persönliche Readings zu Lebensfragen, Jenseitskontakt und Remote Viewing. Letzteres beschreibt sie als ortsunabhängiges „Hineinspüren" in Situationen, Personen oder Schauplätze.
Find Me Group: ausgelagert, geprüft, für Behörden
Ihren Zugang zu Vermisstenfällen habe sie über eine Organisation, die von einem ehemaligen US-Polizisten geleitet werde – Fischer nennt diese die Find Me Group. Die Find Me Group existiert tatsächlich: Sie wurde von Kelly Snyder, einem ehemaligen US-Bundesermittler, gegründet und vermittelt Remote Viewer und Medien an Strafverfolgungsbehörden und Familien, die Vermisste suchen.
Laut Fischer arbeitet die Firma bis heute auch für die CIA – die Aufträge seien quasi ausgelagert. Offiziell hat die CIA das Stargate-Programm 1995 eingestellt. Was Fischer beschreibt, wäre also eine zivile Fortsetzung außerhalb der Behördenstrukturen.
Wer für die Find Me Group arbeiten dürfe, werde vorher geprüft. Fischer selbst habe unentgeltlich gearbeitet – während die Firma von ihren Kunden „viel Geld" verlangt. Das Geschäftsmodell ist damit klar: Die Firma verdient an den zahlenden Auftraggebern, die Viewer arbeiten ehrenamtlich.
Multi-Viewer-Protokoll: nur Übereinstimmungen werden weitergegeben
Das Protokoll, das Fischer beschreibt, ist im Remote-Viewing-Feld branchenüblich: Mehrere Viewer bearbeiten denselben Fall unabhängig voneinander, ohne Absprache. Erst danach werden die Berichte verglichen. Was sich zwischen ihnen überschneidet, wird an die Auftraggeber weitergegeben; was nur einer einzelnen Viewer-Wahrnehmung entstammt, fällt heraus. So wird das Rauschen einzelner Eindrücke gegen die Konvergenz mehrerer geprüft.
Diese Filterlogik bedeutet: Welche Wahrnehmungen am Ende bei den Auftraggebern landen, entscheidet die Firma – nicht der einzelne Viewer. Die Viewer kennen die Berichte der anderen nicht und erfahren in der Regel auch nicht, was mit ihren eigenen Eindrücken weiter geschieht.
Der Fall, an dem Fischer aufgehört hat
In einem Fall mit vermissten Kindern habe Fischer beim Remote Viewing missbrauchte Kinder auf einem Schiff wahrgenommen – so unmittelbar, als sei sie selbst vor Ort gewesen. Sie habe diese Wahrnehmung an die Find Me Group weitergegeben.
Die Firma habe die Information nicht weitergegeben. Warum, sei für Fischer nicht nachvollziehbar gewesen – aus ihrer Sicht wirkte es so, als sei dem Hinweis schlicht nicht nachgegangen worden. Für sie war damit eine Grenze erreicht: Wenn solchen schweren Schilderungen am Ende kein Interesse entgegengebracht werde, könne sie nicht mehr guten Gewissens weiterarbeiten. Sie habe sich entschieden, für die Firma nicht mehr tätig zu sein.
Hinzu komme die emotionale Belastung. Solche Wahrnehmungen brächten sie sehr durcheinander, sagt Fischer. Genau diesen Aspekt beschreiben auch andere Medien, die mit Polizei zusammenarbeiten – etwa Pascal Voggenhuber: Die Wahrnehmungen sind nicht abstrakt, sondern emotional und körperlich präsent. Begonnen habe sie diese Arbeit, weil sie damit „viel Gutes bewirken" konnte. Aber nach diesem Fall sei für sie an dieser Stelle Schluss gewesen.
Den vollständigen Podcast-Ausschnitt findest Du eingebettet auf der Wissens-Seite von Heaven Connect – mit Startzeitpunkt direkt bei 1:21:20.
Remote Viewing und Mediumschaft – was unterscheidet die beiden?
Beides sind Formen nichtlokaler Wahrnehmung – also Wahrnehmung jenseits dessen, was die fünf Sinne zulassen. Doch der Fokus ist verschieden:
- Remote Viewing zielt auf Orte, Objekte oder Ereignisse. Es spielt keine Rolle, ob die Zielperson lebt oder verstorben ist. Die Methode wurde gezielt für Aufklärungsarbeit entwickelt und ist stark protokollgesteuert (Targets, blinde Sessions, festgelegte Phasen).
- Mediumschaft ist Kontakt mit Verstorbenen. Sie hat eine eigene Tradition – spiritualistisch, ab Mitte des 19. Jahrhunderts – und folgt anderen Wahrnehmungsmustern (Beweismaterial, das nur den Hinterbliebenen plausibel ist; Verbindung über Energie und Beziehung statt Ortsbezug).
Dass Birgit Fischer beide Bereiche praktiziert, ist eher ungewöhnlich. Im US-amerikanischen Stargate-Umfeld wurde Remote Viewing bewusst als methodisch klare, „wissenschaftliche" Disziplin gerahmt – getrennt von spiritueller Mediumschaft, um die Akzeptanz im militärischen Apparat zu erhalten. In Europa, wo die Trennung weniger institutionell gewachsen ist, fließt beides häufiger zusammen.
Was lässt sich seriös über Remote Viewing sagen?
- Remote Viewing existiert als systematisch trainierte Praxis – das ist durch tausende Seiten freigegebener CIA-Akten belegt (öffentlich im CIA Reading Room einsehbar).
- Die Effekte waren in kontrollierten Studien statistisch nachweisbar, ihre praktische Verlässlichkeit für einzelne Aufträge aber begrenzt – genau das stand am Ende von Stargate.
- Heute arbeiten zivile Strukturen wie die Find Me Group oder die International Remote Viewing Association (IRVA) an konkreten Fällen – meist Vermisstensuchen, gelegentlich auch in Strafverfahren.
- Wer sich heute Remote Viewer nennt, ist nicht automatisch geprüft. Es gibt seriöse Trainingslinien (Lyn Buchanan, Ed Dames, Paul H. Smith) – und daneben viel Schaumschlägerei. Wie überall in dem Feld lohnt es sich, die Lebensläufe und Nachweise einzelner Viewer genau zu prüfen.
Was bedeutet das für Heaven Connect?
Birgit Fischers Schilderung passt in dasselbe Bild, das auch unser Artikel Medien in der Polizeiarbeit zeichnet: Mediale Wahrnehmung – ob als Remote Viewing, Jenseitskontakt oder energetisches Tatort-Lesen – ist nicht nur ein privates Trostangebot, sondern wird in mehreren Ländern auch operativ genutzt. Dass Behörden mit knappen Budgets und Erfolgsdruck immer wieder darauf zurückgreifen, ist die deutlichste praktische Antwort auf die Frage, ob solche Methoden funktionieren: Sie würden nicht eingesetzt, wenn nichts dabei herauskäme.
Heaven Connect listet ausschließlich Medien, die transparent über ihre Arbeit sprechen. Wir bewerten weder Remote Viewing noch klassische Mediumschaft als das „bessere" Verfahren – beides sind Wahrnehmungsformen mit eigenen Stärken, eigenen Grenzen und eigenen Anwendungsfeldern. Was sie verbindet: Sie nehmen den Anspruch ernst, dass menschliche Wahrnehmung weiter reicht, als unser naturwissenschaftliches Standardmodell es vorsieht.
→ Weiterlesen: Medien in der Polizeiarbeit – Voggenhuber, Croiset & der Fall Etta Smith
